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Forum - Thema: Label Rapideyemovies

«« | Seite 2 von 2
Thema: Label Rapideyemovies
Autor Beitrag


Beitrag #51 - erstellt: 19. November 2007
Bombay (1995)



Mit Arvind Swamy und Manisha Koirala
erhältlich in Tamilisch mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Shekhar (Arvind Swamy) ist ein aufgeklärter junger Hindu, der in Bombay Journalistik studiert. Nun kehrt er für kurze Zeit in das Haus seines Vaters Narayan (Nazar) zurück, des angesehensten Mannes in dem südindischen Dorf. Prompt verliebt sich Shekhar in Shaila Bano (Manisha Koirala). Sie ist die Tochter von Bashir Ahmed (Kitty) - einem Muslim. Da beide Väter eine Beziehung bis aufs Blut bekämpfen wollen, flüchten die Liebenden nach Bombay und vermählen sich. Bald wird Bano schwanger und gebärt Zwillinge. Zwei Buben. Das Glück scheint perfekt - bis zum 6. Dezember 1992, als wegen dem Hindu-Tempelbau in Ayodhya in Bombay blutige Religionsunruhen ausbrechen.
Review
Mani Rathnams (Dil Se) Meisterwerk "Bombay" beginnt wie eine Romanze, angereichert mit Songs und ein wenig Sozialkritik. Die Konflikte, die die beiden Väter haben, wirken wie Scharmützel - aber sie erzeugen eine üble Vorahnung. Etwa fünf Minuten vor der "Intermission" (Pause) schlägt der Film aber so radikal um, dass man nur noch gebannt und verzweifelt die Bilder aufsaugt, die Rathnam und sein Kameramann Rajiv Menon präsentieren. Die Unruhen, die 2000 Menschen das Leben kosteten (Hintergrund), lassen so viel Leid über die Protagonisten hereinbrechen, dass ich nur noch weinen konnte. Jede Gräueltat wird zu einem Symbol für den Zustand Indiens. Als aufständische Muslime die zwei Buben anzünden wollen, kann man nur noch fassungslos mitleiden. Und mitfühlen. Rathnam manipuliert mit fester Hand und lässt bis zum Schluss nicht los. Er verteidigt das Ideal von Frieden und Koexistenz zwischen Hindus und Muslims mit soviel Innbrunst und soviel Härte, dass das Ende fast schon schockierend simpel ist. Rathnam bietet nämlich keine "Lösung" des Konflikts an, diese ist ja für jeden vernünftigen Menschen offensichtlich. Wo die Vernunft über Bord ging, setzt Rathnam vielmehr ein Symbol. Einen feurigen Aufruf. "Bombay" erinnert uns daran, wie mächtig ein Film sein kann - und wie bewegend eine simple Botschaft wie Frieden.
Die Darsteller sind durchs Band exzellent. Südindiens Star Arvind Swamy wirkt wie ein passiver Beobachter, der stets einen Ausweg findet - und zum Schluss doch verzweifelt. Manisha Koirala hält ihre Emotionen ebenfalls lange zurück, erzeugt aber mit kleinen Gesten einen starken Charakter. Das Casting der Väter ist besonders gelungen: Muslim Bashir wird von Hindu Kitty gespielt, Hindu Narayan vom Muslim Nazar - und beide leisten brillante Arbeit. Wie Narayan auf der Strasse von einem Muslim-Mob fast gelyncht wird und Bashir ihn in der letzten Sekunde rettet, indem er sagt, er sei sein Bruder, ist ein ebenso einfacher, wie bewegender Moment. Und "Bombay" ist voll von solchen starken Szenen. Einer der besten Filme aus Indien. Unbedingt ansehen!

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Produktempfehlungen


Beitrag #52 - erstellt: 19. November 2007
Darr (1993)


Mit Shahrukh Khan, Juhi Chawla und Sunny Deol
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Sunil Malhotra (Sunny Deol) ist der beste Soldat in der Truppe von Cpt. Mehra (Dalip Tahil). Nun scheint für ihn auch privat die Sonne zu scheinen: Er wird die schöne Kiran (Juhi Chawla) heiraten. Er ahnt nicht, dass er einen Widersacher im Kampf um ihr Herz hat: Rahul (Shahrukh Khan), Mehras Sohn. Er war mit Kiran auf dem College, getraute sich aber nie, sie anzusprechen. Er baute eine obsessive Liebe für Kiran auf. Wie durchgeknallt Rahul ist, zeigt auch, dass er ständig mit seiner Mutter telefoniert, die vor 18 Jahren bei einem Autounfall starb. Nun rückt er Kiran auf die Pelle. Er versucht sogar, Sunil umzubringen. Um dem Psychopathen zu entkommen, heiraten Kiran und Sunil und fliegen in die Schweiz.
Review
Über-Produzent und Hit-Regisseur Yash Chopra hatte Anfang 90er einige Flops auf dem Rücken, als er "Darr" inszenierte. Doch als der Film an Weihnachten 1993 in die Kinos kam, avancierte er schnell zum Hit (zweiterfolgreichster Film 1993) und war ein weiterer wichtiger Schritt nach oben für Shahrukh Khan. Und genau da liegt das Problem - auf das ich gerne vor der Besprechung des Films zu reden kommen möchte: Dies ist eigentlich Shahrukhs Film. Und das sorgte hinter den Kulissen für riesigen Zoff. Sunny Deol meinte, Yash Chopra habe ihn angelogen und betrogen, weil Shahrukh der eigentliche tragische Held des Films wurde. Das stimmt zum Teil schon, denn als Juhi gegen Schluss einmal schreit "Kill him! Kill him, Sunil!" und Shahrukh ihr einen traurigen Blick zuwirft, hat man Mitleid mit ihm. Mit ihm, dem eigentlichen Bösewicht. Macho-Held Sunny fühlte sich dadurch betrogen. Doch das ist nicht primär Chopras Schuld, sondern ein Beweis für Shahrukhs Star-Appeal. Er hat einfach mehr Talent und mehr Charme als Sunny und drängt sich gerade deshalb schon ins Zentrum des Films. Die Herzen fliegen ihm eher zu als dem stoischen Sunny. Und genau das hielt der gestandene Mann wohl nicht aus. Seither redet er nicht mehr mit Chopra und schwor, nie mehr einen Film mit ihm zu drehen. Auch mit Shahrukh liegt er seither im Streit. Shahrukh dagegen wurde zum Megastar - auch dank diesem Film. Mit Chopra drehte er 1997 Dil To Pagal Hai, während Sunny ohne Chopra auch Megaerfolge feierte. Und noch ein dritter spielte bei der Sache eine Rolle: Aamir Khan. Der hätte eigentlich Shahrukhs Rolle spielen sollen, wollte aber Änderungen im Skript (mehr Interaktion mit Sunny, anderes Ende) und wurde gefeuert. Später meinte er, Sunny habe mit seiner Kritik völlig recht - und drehte nie mit Chopra. Tja, weder Aamir noch Sunny noch Shahrukh hat der Krieg geschadet - heute sind alle drei Hit-Lieferanten.
Nun also zum Film selbst. Wie bereits angedeutet ist Shahrukh zwar der Bösewicht, aber der Star des Films. Er ist famos. Juhi bleibt etwas farblos und Sunny ist stoisch wie eh und je. Anupam Kher irritiert etwas als Comic Relief. Chopras Inszenierung ist eher unspektakulär, was auch für die Tanzeinlagen gilt. Der beste Song ist Shahrukhs flehender "Jaadu Teri Nazar", gefolgt von "Tu Mere Samne". Ah, und fast eine Stunde des Films spielt in der Schweiz. Das Finale (ein Mix aus "Cape Fear" und "Dead Calm") passiert gar auf dem Genfersee. Ein gut gemachter Film, der sich anzuschauen lohnt. Aber der Trubel hinter der Kamera war eigentlich noch viel spannender ...

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #53 - erstellt: 19. November 2007
Dhoom:2 (2006)


Mit Hrithik Roshan, Aishwarya Rai, Abhishek Bachchan, Uday Chopra und Bipasha Basu
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der Polizist Jai Dixit (Abhishek Bachchan) hat den vorlauten Ali Akbar Fateh Khan (Uday Chopra) als Partner zugeteilt bekommen. Das ist nicht die einzige Sorge in seinem Leben: Seine schwangere Frau Sweety (Rimi Sen) fordert auch Aufmerksamkeit. Ausgerechnet jetzt tritt Jais ehemalige Freundin Shonali Bose (Bipasha Basu) in sein Leben. Die schöne Polizistin hat einen hochoffiziellen Auftrag: Die Jagd nach dem Meisterdieb "Mister A" (Hrithik Roshan), der nicht zu schnappen ist und es auf wertvolle Schätze auf der ganzen Welt abgesehen hat. Während das Ermittler-Trio seine Spur aufnimmt, verbündet er sich mit der geheimnisvollen Sunehri (Aishwarya Rai) und plant einen Coup in Rio de Janeiro. Dort bekommen Jai und Ali Unterstützung von Shonalis Zwillingsschwester Monali (Bipasha Basu), die ein Auge auf den völlig perplexen Ali geworfen hat.
Review
"Dhoom:2" ist dumm und laut, das kann man verzeihen. Doch leider ist der Film auch frei von Spannung, Flair und cineastischem Verständnis. Etliche Szenen sind überladen, der Action geht alle Plausibilität ab und von Story fehlt jede Spur. Viel mehr als 152 Minuten Augenfutter liefert dieser ausgebremste Rennwagen von Film also nicht - und trotzdem brach er alle Kassenrekorde in Indien und hält (ohne Inflation) nunmehr den ersten Platz in Sachen Einspielergebnis. Ein unglaubliches Resultat und ein Triumph für Yashrajs Marketingabteilung ebenso wie für das Casting-Genie der Macher.
Denn jedem Bollywoodfan läuft beim Durchlesen des Casts schon das Wasser im Mund zusammen. Aishwarya Rai und Hrithik Roshan zum ersten Mal im selben Film. Und dann noch als Bösewichter gegenüber den bereits etablierten Dhoom-Stars Abhishek Bachchan und Uday Chopra. Herrlich. Der kurze Lippenkontakt zwischen den beiden Megastars Hrithik und Ash spät im Film lockte selbst ernannte Jugendschützer auf die Barrikaden und brachte den beiden sogar eine Klage ein. Der Kuss ist süss, eine der wenigen halbwegs emotionalen Szenen zwischen den beiden. Der Rest ist primär warme Luft. Und Tanzen. Bei Letzterem sind Hrithik und Ash in ihrem Element.
Weniger gut schaut es zwischendrin aus. Die Dialoge sind schwach, die Chemie stimmt oft nicht. Vor allem in den frühen Szenen zwischen Ash und Hrithik klemmts einfach. Sie scheint sich unwohl zu fühlen in den knappen Stofffetzen, das merkt man in den Szenen, in denen sie in einem Lara-Croft-inspirierten Kleidchen steckt. Und ihre Hölzernheit, noch unterstützt dadurch, dass sie von sich immer in der dritten Person reden muss, schwappt sogar auf die Co-Stars über. Erst mit der Zeit blüht Ash etwas auf und macht ihre gemeinsame Show mit dem gebräunten und agil aufspielenden Bizeps-Boy Hrithik trotzdem noch zum Hingucker - denn sexy ist dieses Paar allemal. Abhishek Bachchan rückt dafür völlig in den Hintergrund, spielt immerhin relaxed. Uday, wieder dazu verdammt, die Ulknudel zu spielen, hat eine Gag-Trefferquote von 50%. Doch erstaunlicherweise ist es Bipasha Basu, die sich in dem Film am wohlsten fühlt. So oder so sind die Schauspieler einer der Gründe für die noch gnädige Bewertung. Ebenso die solide Musik, die fetzigen Tänze und die schicken Drehorte. Doch damit endet die Liste auch schon bald, der Rest ist meist ein Trauerspiel. Im Kleinen gilt das etwa für die überladene Choreografie, die zwar ein paar heisse Szenen zulässt, aber zu chaotisch ist. Die Kameraarbeit ärgert mit möchtegern-coolen Zeitraffer- und Zeitlupen-Szenen, die begleitet von der immergleichen Sound-Einspielung (v.a. "Dhoom Machale") bald auf den Wecker gehen. Gefilmt ist "Dhoom:2" wie ein schlechter Werbeclip.
Noch schrecklicher die Action. Zwar war der Bond-Veteran Vic Armstrong hier als Berater tätig, doch die Macher haben von guter Action fast keine Ahnung. Wenn man nämlich Action cool aussehen lassen will, muss man penibel darauf achten, peinliche Elemente zu entfernen. Es macht sich nicht gut, wenn Abhi auf dem Jet-Ski steht, als ob er gerade in die Hosen gemacht hätte oder Hrithik die Sanddüne runtersurft mit dem Tempo einer gehbehinderten Schildkröte. Coolness erreicht man eben nur in der exakten Abstimmung aus Bild, Auftreten und Inszenierung.
"Dhoom:2" gehört zu der Art Actionfilm, die vor lauter Fixierung auf Coolness völlig vergessen, eine Geschichte zu erzählen.
gekürzte Review, alles hier nachlesen

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #54 - erstellt: 20. Februar 2008
Black (2005)


Mit Rani Mukherjee und Amitabh Bachchan.
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Katherine (Shernaz Patel) und ihr Mann Paul McNally (Dhritiman Chatterjee) sind bestürzt: Die Ärzte haben ihnen offenbart, dass Töchterchen Michelle nicht sehen und hören kann. Selbst als Teenagerin verhält sich Michelle (Ayesha Kapoor) deshalb wie ein Tier. Es ist kein Kontakt zu ihr möglich, keine Erziehung. Paul will sie deshalb in ein Institut überweisen, doch Katherine wirft ein, dass ihre Tochter ja nicht geistig behindert ist - nur taubstumm. Sie wendet sich an den trinkenden alten Haudegen Debraj Sahai (Amitabh Bachchan), der Michelle zu einem Mitglied der Gesellschaft machen soll. Doch seine Erziehungsmethoden sind so rabiat, dass Paul ihn aus dem Haus haben will. Als Mr. McNally aber für 20 Tage verreist, nutzt Sahai die Chance, um Michelle zu "trainieren". Er bringt ihr Blindenzeichen und den Sinn von Worten bei. Tatsächlich gelingt es ihn, Michelle aus ihrerm bisherigen Zustand zu erlösen. Viele Jahre später ist Michelle (Rani Mukherjee) eine ehrgeizige junge Frau, die den Uni-Abschluss machen will. Sahai weicht nicht von ihrer Seite, denn er übersetzt die Vorlesungen für sie. Doch während sie nur langsam Fortschritte macht, zeigen sich bei Sahai Zeichen von Alzheimer.
Review
"Black" muss man feiern. Sanjay Leela Bhansali hatte nach seinem Magnum Opus Devdas den Mut, einen ungewöhnlichen Film anzupacken: ohne Songs, nur zwei Stunden lang und mit eher gemütlichem Erzähltempo. Eben "Black". Bhansali und sein Kameramann Ravi K. Chandran (Dil Chahta Hai, Kannathil Muthamittal, Yuva), der sich immer mehr zu einem der visuell stärksten Kamermänner Indiens entwickelt, erschaffen eine künstliche und doch realistische Welt, in der sich Licht und Dunkelheit den Platz streitig machen und eine Pracht entfalten, die jenseits der Opulenz von Devdas liegt, aber trotzdem den Augen den ganzen Film hindurch schmeichelt.
Die Sets sind nostalgisch angehaucht und meistens in eine Stimmung versetzt, die einen beinahe märchenhaften Reiz entwickelt. Sei es mit Schnee, Nebel oder Regen. Dann ist da aber auch das Thema. Ungewöhnlich auf jeden Fall - aber so ungewöhnlich auch wieder nicht, immerhin hat Bhansali sein Regiedebüt mit dem "Jenseits der Stille"-Remake Khamoshi: The Musical begonnen. Er hat also durchaus Erfahrung mit Taubstummheit im Film. "Black" knüpft aber noch mehr an ein anderes Werk an - in gewissem Sinne ist er wie der Vorläufer ein Remake. Und zwar eines des amerikanischen Melodramas The Miracle Worker (1962) Jenes basiert auf dem Buch "The Story of My Life" von Helen Keller und nicht umsonst dankt Bhansali in den Credits Frau Keller. Natürlich ist "Black" auch ohne Songs ein Bollywoodfilm und deswegen in Sachen Emotionen überhaupt nicht subtil - aber im Umfeld eines scheinbar realistischeren Werks wie "Black" fällt die Nachdrücklichkeit der Emotionen eher auf.
Es ist also durchaus so, dass "Black" seine Mängel hat. Er hat sogar recht viele, weshalb ich jene Kritiken nicht ganz verstehen kann, die ihn als Offenbarung für das indische Kino hinstellen. Er bietet eine willkommene Abwechslung zum Mainstream, ohne gänzlich dem Arthaus-Kino anheimzufallen. Doch er ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Primär wegen der Geschichte. Sie ist nicht neu.
Das will ich aber nicht die Darbietungen der Akteure in "Black" nicht schlecht machen. Im Gegenteil! Gerade in den Szenen, in denen Rani eher ruhig sein muss, ist sie sogar brillant. Sie bleibt den Film hindurch ohne Dialoge und verständigt sich mit einer umwerfenden Körpersprache. Selbst ihr Gang, der an Charlie Chaplin angelehnt ist, ist einfach stimmig und überzeugend. Amitabh siedle ich etwas darunter an. Er hat seltsam theatralische Monologe am Anfang, mit denen ich echt gar nichts anfangen konnte. Doch im Verlauf wächst einem der knorrige Kerl ans Herz und auch Big Bs Performance kann somit gelobt werden. Nur sein Altersmakeup in den späteren Szenen ist zum Schiessen schlecht. Vor allem die Hände. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er und Rani eine grossartige Chemie haben - selbst bei einem oft diskutierten Küsschen, in dem so viel drin steckt und das im Halblicht eher zum Denken anregt.
Alles in allem gehört das Schauspiel trotz kleiner Einschränkungen zum absoluten Plus von "Black". Dazu die visuelle Schönheit der Kompositionen, die fragile Erzählweise und die herzerwärmenden Emotionen: Ja, den Film kann man bloss empfehlen, selbst wenn er keine Offenbarung ist.
Gekürzte Review, alles hier nachlesen.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #55 - erstellt: 20. Februar 2008
Dil To Pagal Hai (1997)



Mein Herz spielt verrückt
Mit Shahrukh Khan, Madhuri Dixit, Karishma Kapoor und Akshay Kumar.
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Der erfolgreiche Sänger, Tänzer und Show-Regisseur Rahul (Shahrukh Khan) glaubt nicht an die wahre Liebe. Dabei ist ausgerechnet seine manchmal etwas zickige Gesangspartnerin Nisha (Karishma Kapoor) schon lange in ihn verliebt. Er merkt es nur nicht. Da hat Nisha einen Unfall und Rahul ist gezwungen, Ersatz zu suchen. Den findet er in der Person der schüchternen Pooja (Madhuri Dixit), die er schon zuvor mehrmals flüchtig gesehen hat. Sie glaubt an die wahre Liebe und daran, dass jeder Mensch einen Seelengefährten hat. Ihr Jugendfreund Ajay (Akshay Kumar) ist es sicher nicht. Doch der macht sich trotzdem Hoffnungen und bittet Pooja um ihre Hand. Während sie sich diesen Schritt gut überlegt, flammen ihre Gefühle für Rahul auf. Und auch sein Herz wird langsam weich.
REVIEW
Zwischen den beiden Blockbustern Dilwale Dulhania Le Jayenge oder Kuch Kuch Hota Hai drehte Shahrukh Khan diese gefällige Liebeskomödie. Für Regisseur Yash Chopra war Shahrukh erste Wahl, da die beiden schon vier Jahre zuvor bei Yashs letztem Film Darr gut zusammenarbeiteten und weil Yashs Sohn Aditya bei seinem Debüt DDLJ dank Shahrukh reüssierte. Die Suche nach weiblichen Co-Stars gestaltete sich schwieriger. Yash griff weder auf Kajol noch auf Rani Mukherjee zurück, sondern verpflichtete die Grande Dame des modernen Bollywood-Kinos: Madhuri Dixit. Es war bereits ihr dritter (von total sechs) Auftritten mit Khan. Als zweite Leading Lady trat Karishma Kapoor an, die damals Dank dem Blockbuster Raja Hindustani auf dem Zenit ihrer Karriere war.
Dieses Trio Infernale macht "Dil To Pagal Hai" zu einem vollen Erfolg. Das Drei-Stunden-Musical ist Yashs belanglosester Film und einer seiner schematischsten, doch der Charme der Akteure und die freudvolle Inszenierung fegen die meisten Bedenken hinweg. Was für einen Chopra-Film etwas erstaunt sind die mässigen Songs. Nach der hübschen Einstimmung mit "Ek Duie Ke Vaaste" folgt die attraktiv choreografierte Karishma-Nummer "Le Gayi". Ein 08/15-Song. "Bholi Si Surat" ist eine Fun-Nummer mit sexy Moves von Karishma. Es folgt die Routinenummer "Pyar Kar" und das Titellied: "Dil To Pagal Hai", vielleicht das Highlight des Scores, gedreht im Europapark Rust (Deutschland). "Kol Ladki Hai" ist okay, aber der Regentanz bekommt durch souverän tanzenden Kids Reiz. "Are Re Are", das Leitmotiv-Lied des Films, bildet den zweiten Höhepunkt. Eine schöne Melodie, reizvolle Inszenierung. Den Abschluss machen der passable "Dholna" und ein Medley. Die Musik als Ganzes ist nicht übel, doch abgesehen von "Dil To Pagal Hai" und "Are Re Are" vermisste ich richtige Ohrwürmer, wie es sie in anderen Chopra-Produktionen wie Darr oder Dilwale Dulhania Le Jayenge gab.
Die Musik ist trotzdem zentral, denn Chopra inszenierte DTPH noch mehr als Tanz- und Gesangsfilm, als andere Bollywood-Regisseure es tun. Karishma und Madhuri bekommen etliche Gelegenheiten, ihr Tanztalent zu beweisen, ob solo oder mit Partner - und einmal sogar in einem spektakulären Tanz-Duell. Madhuri schlägt sich dabei wie zu erwarten formidabel. Ihr Gespür für Rhythmus ist eindrücklich, ihre Bewegungen elegant. Karishma bietet hier einige der besseren Tänze ihrer Karriere und macht eine sprichwörtlich gute Figur. Doch ihr Part ist letztendlich undankbar. Rahul erklärt es einmal so: Gott habe es so gedreht, dass A immer B liebt, B liebt C, C liebt D. Das ist eine Formel für 50% aller Hindi-Filme und in diesem Geflecht ist Karishma "A". Immer die ungünstigste Position.
C und D müssten hier aber vertauscht sein, denn D liebt C. D ist Akshay Kumar. Ebenfalls eine undankbare Rolle für ihn, aber der vorwiegend als Actionheld bekannte Kumar macht einen sympathischen Eindruck und harmoniert bestens mit Madhuri. Doch der Star ist zweifellos Shahrukh. In gewohnt liebenswerter SRK-Manier umschwärmt er zwei Schönheiten auf einmal und die Zuschauer gleich noch dazu.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #56 - erstellt: 20. Februar 2008
Neal 'N' Nikki (2005)


Mit Uday Chopra und Tanisha Mukerji
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Gurneal "Neal" Ahluwallia (Uday Chopra) lebt mit seinen Eltern im Ort Oliver im kanadischen Bundesstaat British Columbia. Obwohl er indischer Abstammung ist, war Neal noch nie in Indien. Er verhält sich auch nicht wie ein "echter" Inder und stellt jedem Mädchen nach, das ihm vor die Finger kommt. Die Eltern haben genug davon und arrangieren seine Heirat mit der adretten Sweetie (Richa Pallod). In drei Wochen steht die Hochzeit an. Bis dahin darf Neal nach Vancouver und sich etwas vergnügen. Tatsächlich bändelt er mit etlichen Frauen an - doch immer kommt ihm die trinkfeste Inderin Nikita "Nikki" Bakshi (Tanisha Mukerji) dazwischen. Die beiden geraten in Streit, schäkern aber bald miteinander - und kommen sich näher. Da erkennt Neal, dass sie ihn nur benutzen möchte, um ihren Ex Trish (Alexandre Montez) eifersüchtig zu machen!
Review
"Neal 'N' Nikki" kam für die meisten Inder einem mittleren Schock gleich. Immerhin stammt der Film vom renommierten Produktionshaus Yashraj, deren Blockbuster als familienfreundliches Entertainment wahrgenommen werden. "Neal 'N' Nikki" ist jedoch ein Film für die urbane Jugend, ein Werk mit mehr nackter Haut als mancher Skin-Flick. Die Reaktion kam prompt: vernichtende Kritiken, schlechtes Abschneiden am Box Office.
"Neal 'N' Nikki" kann freilich mit keinem dieser Filme mithalten und gehört zum Schwächsten, was Yashraj jemals produziert hat. Dass ausgerechnet DDLJ-Regisseur Aditya Chopra diese dürftige Story freigegeben und ihre Verfilmung finanziert hat, zeugt schon von mangelndem Verständnis.
Uday ist denn auch zweifellos der Star des Films, sofern man bei ihm von einem Star reden kann. Was der richtige Nachname einem alles einbringen kann. Nicht nur das: Der Kerl darf die halbe Damenwelt Kanadas umschwärmen - ein ziemliches Glaubwürdigkeitsproblem für den Film, wenn man bedenkt, dass Uday nicht gerade die Numero Uno Bollywoods ist.
Sein Haupt-Augenmerk gilt Tanisha, die diesmal ihren Nachnamen Mukerji in den Credits nennt. Tanisha ist die weniger talentierte kleine Schwester von Kajol, die mit Yashraj ja ihre grössten Hits feierte. Der Charme und die Leinwandpräsenz ihrer Schwester geht Tanisha völlig ab. Sie hat Mühe mit Tanzen und ihre Dialoge wirken angestrengt einstudiert. Doch ihre Vorteile sind offensichtlich: Sie hat nicht die breiten Hüften von Kajol und kann deshalb den ganzen Film hindurch in Minirock und Top rumlaufen.
Da ist die Krux des Films. Diese Haut-Show, die ich als männliches Wesen auf den ersten Blick natürlich nicht verurteilen mag, ist billig und unmotiviert. Wäre Nikki durch diesen Mangel an Kleidung definiert, wäre sie ein Sex Kitten, ein Luder oder sonst was Passendes, dann würde dieses Outfit auch gerechtfertigt sein. Ist es aber nicht, sie verhält sich ziemlich normal. Etwas überdreht, aber kaum auffällig. Ausser eben, dass sie kaum etwas trägt. Wenn man nicht konstant auf ihren textilfreien Bereich zwischen String und Brustbein gaffen würde, nähme man einen Scheck zur Hand und würde Geld spenden für die Ärmste, damit sie sich anständige Kleider kaufen kann.
Der in British Columbia geborene Regiedebütant Arjun Sablok scheint sich bewusst zu sein, dass dieses Pärchen nicht der Oberknüller ist. Darum ist sein Film auch bescheidene 101 Minuten lang, visuell ansprechend umgesetzt und immer wieder gespickt mit Ablenkungsmanövern. Da sind zum Beispiel die Songs, von denen ein paar relativ eingängig sind, obwohl sie nie an die Höhen der legendären Yashraj-Filmmusik heran reichen. Da sind fast ein halbes Dutzend Lippenküsse, die in Bollywood doch noch immer nicht zur Norm gehören. Und da sind die Anspielungen auf Yashraj-Klassiker wie DDLJ (Uday in Shahrukh-Pose), Silsila und Chandni sowie ein Cameo vom neuen Yashraj-Liebling Abhishek Bachchan.

All das macht ja immer mal wieder Laune und manchen Gag bekommen auch Uday und Tanisha hin. Die ganze Ablehnung gegen den Film, er sei sexistisch, moralisch verrottet oder auf Sex ausgerichtet, kann ich dann doch nicht ganz verstehen. Er handelt von Machos und Dummchen, von schönen Leuten mit wenig Hirn. Die haben zwar auch schon mal Sex, aber der Film ist nicht fixiert darauf. Er ist vielmehr fixiert auf Brüste, auf Dekolleté, auf lange Beine und Udays Sixpack.
Gekürzte Review, alles hier nachlesen.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #57 - erstellt: 20. Februar 2008
Ta Ra Rum Pum (2006)



Papa gibt Gas: Eine Familie ist nicht zu stoppen
Mit Saif Ali Khan und Rani Mukherjee
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Rajveer Singh (Saif Ali Khan) arbeitet als Reifenwechsler im NASCAR-Rennzirkus. Als er eines Tages im Berufsverkehr New Yorks das Taxi des Taxifahrers Harry (Javed Jaffrey) hijackt, passieren zwei Dinge: Er wird von Harry als NASCAR-Fahrer für das Team "Speeding Saddles" engagiert, das Harry für den Teamchef Billy Bhatia (Bharat Dabholkar) managt. Und er weckt das Interesse der schönen Radhika Bannerjee (Rani Mukherjee), die auf dem Rücksitz ungewollt mitfuhr. Ein paar Jahre später sind Rajveer und Radhika verheiratet, obwohl ihr Vater, der reiche Subhoshekhar Rai Banerjee (Victor Banerjee) strikt dagegen war. Nicht nur das: Das Paar hat zwei süsse Kinder, Champ (Ali Haji) and Princess (Angelina Idnani), und Rajveer, der von allen R.V. genannt wird, ist der König der Rennstrecke. Bis an einem schicksalhaften Tag der skrupellose Rusty (Ken Thompson) R.V. in einen Unfall verwickelt. Der nunmehr traumatisierte Rennfahrer wird aus dem Team geworfen und der Familie droht der Abstieg in die Armut.
Review
"Ta Ra Rum Pum" weist eine starke Affinität zu Russell Crowe auf. Recht früh im Film sieht man, wie Saif Ali Khan stolz und "Gladiator"-gleich ein digital animiertes Stadion betritt und danach seinen Gegnern zeigt, wer der King ist. Der Vergleich ist an den Haaren herbeigezogen, doch visuell ist man durch diese Parallele schon mal auf einen weiteren Crowe-Film eingestellt.
Kurz und gut: "Ta Ra Rum Pum" hat ein ganz gehöriges Glaubwürdigkeitsproblem. Wer wirklich einen Film sehen will, bei dem eine Familie in New York verarmt, dem empfehle ich den zauberhaften britischen Film In America. Der zieht die Sache durch, während hier die Eltern den Kindern "La vita è bella"-mässig weismachen, dass alles nur ein Spiel sei und auch das Publikum alles etwa so wahrnimmt. Nicht als Sozialdrama, nicht als Film über die Schattenseiten des Lebens - sondern als Spiel. Erst oben, dann unten. Erst Spass, dann Elend. Die Achterbahn des Lebens der reinen Unterhaltung willen.

Und das ist der Punkt: Unterhaltung. In dem Bereich macht der Film eigentlich fast alles richtig. Kein Wunder kommt er doch aus Bollywoods Premium-Filmschmiede YashRaj und vereint dessen Hum Tum-Pärchen Saif Ali Khan und Rani Mukherjee. Die beiden spielen mit viel Charme, auch wenn Rani etwas unterfordert wirkt. Als Mama mit Herz ist sie trotzdem niedlich. Das Duo steht den ganzen Film hindurch im Zentrum, wichtige Nebendarsteller gibt es, doch die sind derart auf die Ersatzbank verbannt, dass sie kaum eine Erwähnung wert sind. Bloss die, dass Javed Jaffrey, Victor Bannerjee und Co. nicht übel sind.

"Ta Ra Rum Pum" ist vielmehr eine reine Rani-Saif-Show. Siddhart Anand, der zuletzt mit Saif den gewagteren und besseren Salaam Namaste inszenierte, setzt hier auf Bewährtes, nämlich propere Familienunterhaltung, etwas Witz, etwas Melodrama und gefällige Musik. Der Soundtrack mag zu den schwächsten YashRaj-Scores der letzten Zeit gehören, doch er ist nichtsdestotrotz schmusig und passt bestens zum Film. Neu ist dagegen das Rennfahrer-Element.
Die Defizite von "Ta Ra Rum Pum" liegen für jeden, der oft ins Kino geht, denn auch deutlich offen. Doch ein Spielverderber, wer ihnen zu viel Gewicht beimisst. Aufgezählt seien sie trotzdem: Das Skript ist plump konstruiert, die NASCAR-Welt entbehrt fast aller Glaubwürdigkeit, Rani ist schauspielerisch kaum gefordert, die beiden Kinder sind etwas gar kitschig süss, es fehlt dem Plot an sozialer Relevanz, obwohl er den Abstieg einer Familie in die Armut zeigt - und die Musik ist nett, aber auch nicht viel mehr. Mir egal. Fast egal, jedenfalls, denn ich habe mich nicht schlecht unterhalten. Erwartet keinen YashRaj-Knüller, erwartet keine Bollywood-Sensation, sondern stellt euch auf einen sympathischen, harmlosen, bunten Familienfilm ein. Dann kann nichts schief gehen.
Gekürzte Review, alles hier nachlesen.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #58 - erstellt: 20. Februar 2008
A Throw of Dice - Prapancha Pash (1929)

A Throw of Dice - Schicksalswürfel
Stummfilm von Franz Osten
Vertrieb: Rapideyemovies

VideoMarkt
Die beiden indischen Könige Ranjit und Sohat teilen eine Vorliebe für das Glücksspiel. Außerdem trachtet Sohat nach dem Reich Ranjits und plant dessen Ableben auf der Tigerjagd. Ranjit überlebt jedoch verletzt und wird von einem Einsiedler gepflegt, in dessen Tochter Sunita er sich verliebt. Für Sohat, dem Sunita ebenfalls gefällt, ist sie ein Grund mehr für seine Abneigung gegen Ranjit. Er fordert ihn zu einem Würfelspiel auf, bei dem Ranjit dank falscher Würfel sein Reich, seine Freiheit und seine Geliebte verliert.

VideoWoche
Auf einer Episode aus dem indischen Volksepos Mahabharata basierender Stummfilmklassiker, der 2007 anlässlich des 60. Jahrestages der Unabhängigkeit Indiens vom Komponisten Nitin Sawhney mit neuer Filmmusik versehen und mit dem Londoner Symphonieorchester am Trafalgar Square neu uraufgeführt wurde. Inszeniert wurde das aufwendige Werk über Liebe, Macht und Glücksspiel vom deutschen Filmpioneer Franz Osten, der 1924 nach Indien ging und dort mit Schauspieler und Produzent Himansu Rai zunächst "Die Leuchte Asiens" drehte. "Schicksalswürfel" ist einer von mehreren weiteren gemeinsamen Filmen von Osten und Rai, der hier als der böse König Sohat zu sehen ist.

www.amazon.de

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Beitrag #59 - erstellt: 20. Februar 2008
Zinda Laash - The Living Corpse (1967)

Dracula in Pakistan
Pakistanischer Horror-Kult mit Ala-Ud-In und Asad Bukhari
erhältlich in Urdu mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Professor Tabani (Rehan) hat ein Mittel gebraut, dass ihm ewiges Leben bringen soll. Doch als er es trinkt, wird er zum Blutsauger Dracula. Bald darauf weilt Dr. Aquil Harker (Asad Bukhari) zu Besuch. Prompt knabbert ihn Draculas Braut (Nasreen) an und macht auch ihn zum Vampir. Das ruft Aquils Bruder (Habib) auf den Plan. Er zieht gegen Dracula ins Feld und muss Aquils Braut Shabnam (Deeba) schützen, auf die der Blutsauger es abgesehen hat. Shabnams Bruder Parvez (Ala-Ud-Din) und seine Frau Shirin (Yasmeen) ignorieren die Warnungen jedoch - mit schrecklichem Resultat.
Review
"Zinda Laash", seit dem US-DVD-Release bekannter unter dem englischen Namen "The Living Corpse" ist mein erster pakistanischer Film. Ich habe nicht vor, Lollywood viel Platz einzuräumen, weil mich Bollywood mehr als genug fordert, doch dieses Lolly-Juwel konnte ich mir nicht entgehen lassen. Einer der ersten pakistanischen Horrorfilme, Horror meets Song & Dance in einer ganz stattlichen Inszenierung. Zudem ist die DVD von Mondo Macabro ein toll restauriertes Teil und macht Freude den Film anzuschauen - auch wenn er zugegebenermassen nicht sehr gut ist.
Deutlich inspiriert vom "Hammer"-Klassiker "Dracula" (1958) und vielleicht auch von den zuvor entstandenen "El Vampiro" (Mexiko) und "I Vampiri" (Italien), erzählt der Film von Khwaja Sarfaraz die weitläufig bekannte Geschichte nach Bram Stoker. Der Anfang jedoch deutet eher auf einen Dr.-Jekyll-and-Mr.-Hyde-Plot hin. Dies, um übersinnliche Phänomene eher auszuschliessen und die Schuld am Entstehen Draculas der Wissenschaft zuzuschieben. Ein netter Twist, um bei der muslimischen Bevölkerung Pakistans eher Anklang zu finden. Doch nach den Credits gehts mit dem altbekannten Plot los - freilich durchbrochen von halbwegs gelungenen Song- und Tanz-Nummern.
Dafür fehlt die Gewalt. Vor dem Beissen wird ausgeblendet, wenngleich die Zähne oft sehr nahe ans Fleisch kommen. Die Szene, in der Dracula Shabnam zum zweiten Mal beisst ist überrschend sinnlich und subtil inszeniert ohne übertrieben Zooms und Donner-Einlagen. Nur einmal ist das Gewalt-Level höher als bei westlichen Gegenstücken. Zwar nicht visuell, aber inhalltich: Als die Vampirsbraut Aquil anbeissen will, stösst Dracula sie weg, weil dies sein Opfer ist. Als Entschädigung gibt er der Braut ein Baby zum Aussaugen. Wie gesagt, man sieht nix, aber die Vorstellung ist bös.
"Zinda Laash" ist trotz all diesen kultigen Elementen kein guter Film. Der Schnitt ist holprig, das Schauspiel zwischen uninteressiert und masslos übertrieben. Doch am schlimmsten ist der Musikeinsatz. Der Soundtrack ist an etlichen Stellen komplett deplaziert und wechselt zwischen Walzer, Swing und Klassik. Dracula selbst mit seinen Beisszähnen aus Deutschland ist auch nicht extrem unheimlich, wobei die subtile Inszenierung den Film als Ganzes doch unheimlicher macht als die indischen Gegenstücke, wo Lautstärke immer die Intensität des Schocks auszeichnen soll und wahrer Grusel fast nie aufkommt. "Zinda Laash" mag also nicht gut sein, aber er ist kulturell bildend und trashig unterhaltend. In der Sammlung von Dracula-Komplettisten darf er sowieso nicht fehlen.

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #60 - erstellt: 14. April 2008
Chak De! India (2007)


Ein unschlagbares Team
Mit Shahrukh Khan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Kabir Khan (Shahrukh Khan) ist der Top-Stürmer der indischen Hockey-Nationalmannschaft. Beim Match gegen Pakistan verschiesst er den entscheidenden Strafstoss und ist danach gebrandmarkt - denn weil Kabir Moslem ist, scheint für die indischen Medien und hetzerische Agitatoren klar, dass er heimlich dem moslemischen Nachbarstaat geholfen hat. Er wird als Verräter gebrandmarkt und zieht weg. Erst sieben Jahre später kehrt er zurück, um den von niemandem sonst gewollten Posten des Trainers des indischen Mädchen-Hockey-Teams anzunehmen. Vorerst sorgen seine harten Trainingsmethoden bei den Spielerinnen um Preeti (Sagarika Ghatge), Vidya (Vidya Malvade), Komal (Chitrashi Rawat) und Rachna (Kimberly Miranda) für Zoff - doch Kabir schafft es langsam, die Mädels zu einem Team zusammen zu schweissen.
Review
In "Chak De! India" spielt Shahrukh mal wieder ein wenig Abseits seines Stereotyps - kein Arme in die Höhe reissen, kein Flennen, kein Kopf wackeln. Er spielt fast nüchtern - und richtig gut."Chak De! India" wurde daher völlig verdient zum Überraschungserfolg 2007 und torpedierte King Khan mal wieder an die Spitze. Auch die restlichen Stars sind eine Wucht - und dabei sind sie eigentlich gar keine Stars. Gemeint sind die 16 Mädels in Shahrukhs Mannschaft. Eine quer durch Indien rekrutierte Truppe aus charakterstarken Girls, die dem Film viel Power verleihen.
Und darum geht es doch bei einem Sportfilm: Man soll mit der Mannschaft, die idealerweise wie hier eine Underdog-Truppe ist, mitfiebern. Dann kann das Ziel noch so vorhersehbar sein - es gibt eh nur zwei Optionen. Üblicherweise die, dass die Sportler trotz aller Widerstände gewinnen. Welchen Weg "Chak De! India" einschlägt, sei nicht verraten, doch klar ist, dass Regisseru Shimit Amin (Ab Tak Chhappan) das Genre gar nicht revolutionieren will, sondern in Bild und Story einen mitreissenden Sportfilm auftischen möchte. Ist das Shahrukh-Vehikel in dem Bereich ein herausragendes Werk? Sicher nicht.
Shahrukh ist dagegen, trotz Dreitagebart und einigen charakterlichen Schwächen, etwas glatter. Das ist gewollt, immerhin ist die Botschaft ja auch die, dass er sich nach den Kollaborationsvorwürfen aufrappelt und seine Ehre wieder erlangt. Deshalb darf der Film auch patriotisch sein, der Held beweist seinen Patriotismus durch seine Taten - da kann man wenig dagegen haben, zumal es ja auch dem Sportfeld passiert, wo immer Patriotismus ins Spiel kommt, wenn er auf Länderebene spielt. Und nicht nur Shahrukhs Figur hat nicht so viele Ecken und Kanten, wie man sich wünschen könnte, auch die Spielerinnen sind schnell skizziert und folgen dann ihren vorgegebenen Pfaden, bis hin zu den entscheidenden Szenen im "grossen Finale"™.
Nur eben: Das machen die jungen Frauen fantastisch. Diese Mädels sind allesamt toll, Shahrukh ist toll, das Erzähltempo ist toll - Langeweile kommt gar nie auf. Geärgert habe ich mich teilweise über visuelle Spielereien von Kameramann Sudeep Chatterjee (Dor), der etwas gar oft die Kamera verwackelt und Bilder mit Filtern übertüncht. Auch nicht vom Hocker reisst der in den Film integrierte, weitgehend Song-lose Soundtrack, sieht man vom Titellied ab.
Damit ist er nicht der beste Sportfilm der letzten Zeit, ja er ist wohl nicht einmal der beste Sportfilm Indiens (Lagaan und Iqbal sind besser oder ebenso gut) - doch im Jahr 2007 habe ich bisher noch keinen überzeugenderen Bollywood-Film gesehen. Und überzeugend heisst in diesem Fall: technisch und inhaltlich vorbildlich, schauspielerisch überdurchschnittlich und vom Unterhaltungswert 1A. Nicht zu vergessen bewegend - so habe ich etwa beim Match der Mädels gegen die Jungs wässrige Augen gekriegt, und das, obwohl der Aufbau des Applauses pures Klischee ist. Wenn Klischees nicht nerven, dann ist das immer ein gutes Zeichen, oder? Chak De ... Film anschauen!

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Beitrag #61 - erstellt: 04. Mai 2008
Maqbool (2003)


Mit Irfan Khan, Tabu, Om Puri und Naseeruddin Shah
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der Gangsterboss Janhagir Khan, genannt Abbaji (Pankaj Kapur), hat ganze Quartiere Mumbais unter Kontrolle. Die beiden Inspektoren Purohit (Naseeruddin Shah) und Pandit (Om Puri) arbeiten für ihn, Politiker hat er sowieso in der Tasche. Eines seiner besten Druckmittel ist seine rechte Hand Miyan Maqbool (Irfan Khan), ein verlässlicher und skrupelloser Gangster. Auf ihn hat es auch Abbajis junge Frau Nimmi (Tabu) abgesehen. Sie schürt in Maqbool die Eifersucht auf den jungen Guddu (Ajay Gehi), der mit Abbajis Tochter Sameera (Masumi Makhija) flirtet und bei einer Heirat die Nachfolge des Paten übernehmen würde. Als die schöne Schauspielerin Mohini (Shweta Menon) sich zu Abbajis Kurtisane hocharbeitet, drängt Nimmi Maqbool dazu, ihren Gatten zu töten.
Review
"Maqbool" ist ein beeindruckendes Werk, darin besteht kein Zweifel. In Indien schaukelten sich die Kritiker indes zu Ausrufen wie "arguably the best adaptation of a Shakespearean play ever" hoch. Ich persönlich würde Baz Luhrmanns "Romeo + Juliet" noch vorne dran setzen und beinahe jeder Cineast dürfte zustimmen, dass mindestens Kenneth Branaghs "Henry V" und Akira Kurosawas "Throne of Blood" noch einen kleinen Vorsprung haben. Viele indische Kritiker, die jeden Tag ähnliches Bollywood-Einerlei begutachten müssen, sind jedoch verständlicherweise künstlerisch ausgehungert und dürsten nach Material, das anders ist. "Maqbool" ist anders. Und er ist tolles Kino. Von da ist der Sprung zu Superlativen dann nicht mehr so weit.
Nimmt man einen Schritt zurück und begutachtet den Film von Vishal Bharadwaj aus der Distanz, so vereint er auf spektakuläre Art Ideen aus Shakespeares "Macbeth" und Gangsterfilmen, namentlich den ersten beiden "Godfather"-Filmen. Die Weigerung des Paten Abbaji etwa, in den Überseehandel einzusteigen, spiegelt die Ablehnung der Drogengeschäfte durch Marlon Brandos Paten
wieder. Und die beiden Paten selbst haben manche Gemeinsamkeit. Der indische "Godfather" wird souverän gespielt von Pankaj Kapur , der für seine Darbietung etliche Preise einheimsen konnte. Er reicht nicht ganz an Brando heran, doch sein Abbaji gehört zu den besten Figuren des Films, deren Schatten bis zum Schluss über den Ereignissen hängt.
Aber Kapur ist keinesfalls der einzige grandiose Schauspieler in dem Team. Irfan Khan beweist in der Hauptrolle einmal mehr, dass er zu den besten seines Fachs gehört. Wie er immer tiefer in den Sog von Leidenschaft und Verrat gerät, muss man gesehen haben. Ditto Tabu. Die talentierte Actrice ist etwas sympathischer als gängige Lady-MacBeth-Inkarnationen, doch sie spinnt dennoch ein tödliches Netz hinter der Fassade einer ebenso schönen wie liebenden Ehefrau. Ergänzt wird dieses Trio durch zwei Comedy-Sidekicks der Extraklasse: Om Puri und Naseeruddin Shah übernehmen die Parts von "MacBeths" Hexen und sind herrlich. In kleineren Parts überzeugen Masumi Makhija, die neben Puri in Chupke Se debütierte, sowie Pyiush Mishra und Ajay Gehi als Vater und Sohn.
"Maqbool" ist denn auch primär grosses Schauspielerkino. Vishal Bhardwaj stellt seinen Akteuren blendende Dialoge zur Verfügung, mit denen sie das Maximum aus ihren Charakteren herausholen. Alleine schon dafür muss man den Film gesehen haben. Doch "Maqbool" bietet mehr: Die dicht gesponnene Handlung weist zwar wenig Überraschungen auf, dafür einen dramaturgischen Zug, dem man sich nicht entziehen kann. Immer wieder lockert Humor die Ereignisse auf - so gibt es auch etliche Seitenhiebchen gegen Bollywood. "Ich kauf dir einen Regisseur. Wen willst du? Karan Johar? Subhash Ghai?... Mani Ratnam wäre auch möglich" Ohne mit dem Zaunpfahl zu winken, wird die Vermischung von Mafia und Bollywood witzig thematisiert.
Ebenso eine Auflockerung bietet die Musik. Dafür, dass Vishal Bhardwaj als Komponist bekannt wurde, gehört sie aber zu den Enttäuschungen des Films. Die klassischen Lieder sind noch gelungen, aber sie dümpeln energielos dahin und lassen die Handlung manchmal unnötig zum Stillstand kommen. Eine weitere kleine Schwachstelle ist, dass manche Figuren nicht zu sehr ausgebaut werden, obwohl sie für die Ereignisse wichtig sind. So etwa Guddu - aber letztendlich auch Maqbool selbst, über dessen Background man sehr wenig weiss.
"Maqbool" überwältigt mit seinen Schauspielleistungen, fasziniert mit seiner vielschichtigen Story und der sicheren Inszenierung. Es ist weder die beste Shakespeare-Verfilmung noch eine Revolution für Bollywood - sondern eine konsequente und gewagte Mischung aus "Parallel Cinema", Bollywood, Shakespeare und Bollywood.© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #62 - erstellt: 30. Mai 2008
Dhan Dhana Dhan Goal (2007)


Kämpfe für deinen Traum
Mit John Abraham, Arshad Warsi, Bipasha Basu und Boman Irani
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der englische Fussballclub Southall United hat eine 100-jährige Geschichte. Traditionell kicken bei dem Verein asiatische Männer, weshalb der Club das Zusammengehörigkeitsgefühl der ortsansässigen Inder, Pakistanis und anderen Volksgruppen gestärkt hat. Doch nun soll Schluss sein: Der Club hat sein Spielfeld für 30 Jahre geleased, weil jedoch seit Jahren keine Zahlungen mehr eingingen, möchte der Stadtrat das Gelände umnutzen. Mit Hilfe des Sportkommentators Johnny Bakshi (Dilip Tahil) wird ein Projekt aufgezogen, auf dem Platz ein Einkaufszentrum zu errichten. Die einzige Chance für den Club, zu überleben, ist es, die Meisterschaft zu gewinnen und so eine saftige Siegesprämie zu kassieren. Doch weil dies für den Tabellenletzten Southall schier unmöglich scheint, stirbt Manager Dhariwal glatt an einem Herzinfarkt. Der Team-Captain, der Koch Shaan (Arshad Warsi), ersucht den Ex-Spieler Tony Singh (Boman Irani) um Hilfe und heuert ihn als Trainer an. Doch dem Team fehlt ein wirklich grandioser Spieler. Einer wäre der arrogante Sunny Bhasin (John Abraham). Der lässt sich aber nicht dazu bewegen, in dem drittklassigen Club zu kicken. Kann ihn die schöne Teamärztin Rumana (Bipasha Basu) umstimmen?
Review
Klischees so weit das Auge reicht. Zwar ist das Genre des Sportfilms an sich schon dramaturgisch so ausgelutscht, dass echte Innovation unmöglich scheint, doch die besseren Filme um sportlich engagierte Underdogs umschiffen diese Hürde meist durch clevere Inszenierung oder eine emotional involvierende Story. Unlängst hat in Bollywood der Blockbuster Chak De! India bewiesen, dass selbst ohne Neuerfindung des Genre-Rads ein schöner Film möglich ist. "Dhan Dhana Dhan Goal" indes schafft dies nicht. Regisseur Vivek Agnihotri vertraut in seinem zweiten Spielfilm nach Chocolate vielmehr derart stark auf Formeln und Stereotypen, dass er viel Goodwill gegenüber dem Film zerstört.

Die Liste der Klischees ist daher lang und reicht vom Trainer-Trauma über das Zusammenwachsen des Teams bis zu den immer grösser werdenden Stadien - obwohl doch eigentlich stets in derselben Liga gespielt wird und daher auch die Stadien nicht mit jedem Spiel imposanter werden sollten. Doch die Spielregeln sind in "Dhan Dhana Dhan Goal" eh undurchsichtig und der sportliche Durchblick bei den Machern gering. Leider auch bei den Spielern.
Immerhin kann John Abraham mit dem Ball umgehen und macht tatsächlich eine sprichwörtlich gute Figur als Kicker. Auch die kurzen Haare stehen ihm, seine öligen Strähnen werden sicher in der nächsten Rolle wieder da sein, daher sollte man es geniessen, ihn mal mit brauchbarer Haarpracht zu sehen. Mit seiner Lebenspartnerin Bipasha Basu hat er logischerweise eine gute Chemie, doch die zwei haben wenig Szenen zusammen. Am ehesten gehts noch im schicken Qawwali-Song "Billo Rani" ab. Dritter Star im Bunde ist Arshad Warsi, der sich gut schlägt, aber auch nicht so ganz authentisch wirkt. Die restlichen Akteure schlagen sich mit Stereotypen herum, vom Quoten-Punjabi Raj Zutshi bis zum etwas müde wirkenden Trainer Boman Irani. Bei Dalip Tahil fragt man sich die ganze Zeit, wie ein Sportkommentator so viel Einfluss haben kann und wieso der als Stadionspeaker so parteiisch sein darf. Wenn der seine Anti-Southall-Parolen ins Mikro brüllt, könnte man glatt das Spiel annullieren lassen wegen Demotivation der Spieler.
Daher gibt es auch nur ganz knapp zweieinhalb Sterne. Die spärlich eingesetzte Musik ist gelungen, die Akteure geben sich sichtbar Mühe, die Inszenierung ist solide, am Ende habe ich sogar etwas feuchte Augen gekriegt, auch wenn Agnihotri im letzten Moment inkonsequenterweise doch noch dem Melodrama um John Abrahams Charakter ausweicht. Da hätte man durchaus hart bleiben können und zu einem bittersüssen oder gleich ganz tragischen Ende finden können. Das Werk hätte davon profitiert. Doch ein Film, der sich durch seine Schematik und Mutlosigkeit auszeichnet, wird am Ende ja kaum Standfestigkeit beweisen. Nein, "Goal" ist routiniertes, aber leidenschaftsloses und ideenarmes Formelkino, das man sich an einem trüben Nachmittag gerne mal geben kann. Und wenn nicht verpasst man rein gar nichts.

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Beitrag #63 - erstellt: 30. Mai 2008
Om Shanti Om (2007)


Einzel DvD
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Doppel DvD

Shahrukh Khan, Deepika Padukone, Arjun Rampal und Gaststars von Kajol bis Hrithik Roshan.
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation
Vertrieb: Rapideyemovies

Story (Achtung: ohne ein paar Spoiler gehts nicht, 2. Filmhälfte aber total ohne Spoiler! Lesen auf eigene Gefahr)
Bombay in den 70er-Jahren: Om Prakash Makhija (Shahrukh Khan) und sein Kumpel Pappu (Shreyas Talpade) wollen Schauspieler werden, momentan schlagen sie sich aber mit Statistenrollen herum. Oms Mutter, die ehemalige Nebendarstellerin Bela (Kiron Kher), macht ihrem Sohn Mut, dass er es einmal bis zum Helden in einer Grossproduktion bringen wird. Davon träumt der junge Mann auch ununterbrochen, denn er ist verliebt in die junge Leinwandgöttin Shantipriya (Deepika Padukone). Als bei einem Filmdreh Shanti beinahe verbrennt, rettet Om ihr das Leben und wird ihr Freund. Doch er muss erkennen, dass er keine Chance hat bei ihr: Sie ist bereits mit dem schmierigen Produzenten Mukesh Mehra (Arjun Rampal) verheiratet. Weil der dies nie öffentlich kundtun möchte, kommt es zu einer Katastrophe.

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Beitrag #64 - erstellt: 30. Mai 2008
Review
"Om Shanti Om" ist einer der unterhaltsamsten Bollywoodfilme dieses Jahrzehnts. Doch noch wichtiger: Es ist seit langem eine der schönsten Hommagen an das Kino und an Bollywood im Speziellen. Wenn etwa Shahrukh Khan während der Ballade "Aankhon Mein Teri" am Rockzipfel seines Idols hängen bleibt und wir mit ihm mitschwelgen in einer Stimmung zwischen Traum, Realität und Trance, dann vermittelt das genau das Gefühl, das gutes Kino und das Verehren eines Stars haben kann. Es versetzt uns in Ekstase. Das tut gleich auch die ganze erste Hälfte von "Om Shanti Om".
Doch nicht nur im Grossen stimmt alles, auch im Kleinen. Ein Sholay-Poster da, eine Anspielung an den Regiestil von Manmohan Desai dort. Der junge Sooraj R. Barjatya klaut sich Dialogzeilen für Maine Pyar Kiya, der junge Govinda verzichtet auf seinen Nachnamen, Shreyas Talpade erklärt, dass man nur mit einem Star-Namen wie "Kapoor" oder "Khanna" weiterkommt - und Kiron Kher spielt ironisch eine typisch melodramatische Siebziger-Filmmama. All dies zieht sich auch in die zweite Hälfte, etwa mit einem Seitenhieb aufs anspruchsvolle Kino, einer Parodie von Superheldenfilmen und natürlich dem Song "Deewangi Deewangi" - doch dazu später. Was die erste Hälfte jedoch weit über die zweite hebt, ist, dass all dies auch wunderbarst verpackt ist. Man kann gar nicht genug von den Kostümen, Sets und Frisuren schwärmen. Es ist alles so genial. Shahrukh spielt ungeheuer lebendig und sein Schwärmen für Deepika Padukone ist so was von süss. Da liegt die Macht eines Films: Er kehrt das einfach um und tut es glaubhaft, weil Deepika von Anfang an wirkt wie eine liebenswerte Diva. Ihre Ausstrahlung ist immens, ihr Star-Appeal von Farah richtig in Szene gesetzt.

Doch wie der Film selbst so machen auch die Akteure sozusagen zwei Phasen durch. Deepika ist in der zweiten Filmhälfte schwächer, ebenso Shahrukh Khan. King Khan macht anfänglich einfach Freude als Versager oder wenn er ein riesiges Poster von Shanti anschmachtet, man nimmt ihm das absolut ab und sein Zusammenspiel mit Deepika und Iqbal-Star Shreyas Talpade ist toll. Doch nach der Pause ist Shahrukh ein Star mit beneidenswertem Body und arrogantem Benehmen. Dafür trumpft Arjun Rampal als Bösewicht auf. Den lernt man in der ersten Filmhälfte hassen und sein gutes Spiel zieht sich durch den ganzen Film.

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Beitrag #65 - erstellt: 30. Mai 2008
Während ich mich beinahe ohne Wenn und Aber in die erste Hälfte verliebt habe, so blieben doch Bedenken in der zweiten. Die Story ist dafür verantwortlich, denn die funktionierende und schöne Romanze zwischen Om und Shanti ist in einem phänomenalen Mini-Finale beendet worden, nun fehlt die extrem. Reinkarnation, und darum gehts im Film letztendlich, hat immer einen Nachteil, cineastisch gesehen: Den, dass die Konstellationen wieder neu etabliert werden müssen. Farah hat damit Mühe - es gibt keine Romantik in Hälfte zwei, weniger Magie. Dafür mehr Action, aber das entschädigt nicht wirklich. Dafür entschädigt immerhin etwas anderes: Songs und Stars. Die zweite Hälfte bietet nämlich mit dem witzig in die Story geflochtenen "Dard-E-Disco" die ultimative Sabbernummer für weibliche Bollywood-Fans, denn Shahrukh hat sich für den Part einen Traumkörper antrainiert und Farah hat sich vorgenommen, den lüstern in Szene zu setzen. Doch damit lange nicht genug: Es folgt "Deewangi Deewangi" und mit ihm der grösste Star-Aufmarsch der Filmgeschichte. Schon vor dem Song zeigt Farah eine amüsante Filmfare-Verleihung mit herrlichen Filmausschnitten (Akshay Kumars "Kopps"-Szene und Abhishek Bachchan sind grandios darin), doch danach wird gefeiert - und fast jeder Star taucht auf. Die alle tanzen zu sehen, ist ein phänomenales Erlebnis. Man denkt, es würde repetitiv, alle paar Sekunden mit Applaus einen neuen Star einzuführen, doch das ist nicht der Fall. Man gafft nur noch auf die Leinwand und sieht Star nach Star in den Saal kommen - innerlich jauchzend und mit einem Gefühl, wie toll es ist, Bollywood-Fan zu sein. Kajol mit Shahrukh wiedervereint, Vater Jeetendra und Sohn Tusshar beim Tanzen, Zayed und Shahrukh mit Main Hoon Na-Tick ... und so weiter. Sehen und umfallen.

Damit ist mein Lieblingssong "Dastaan-E-Om Shanti Om" noch nicht einmal erwähnt - der kommt im Stile eines Broadway-Musicals ganz spät im Film und verraten sei wenig, aber er nimmt eine wichtige Story-Funktion ein, dient also keineswegs als Item Number, sondern ist essentiell für die Geschichte. Nur eben, die ist nicht mehr so toll. Selbst das Ende ist nicht völlig überzeugend. Zu wenig Emotionen, zu wenig echte Möglichkeiten, sich hinein zu fühlen. Es wirkt alles eine Spur abstrakt, Farahs Inszenierung ist holpriger als in der ersten Hälfte und es schleichen sich Längen ein. Die Songs bringen immer wieder Energie, doch so richtig auf das Hoch der ersten 90 Minuten kommt "Om Shanti Om" nicht mehr. Schade, sonst hätte der Film das Zeug zu einem meiner Bollywood-Lieblingsfilme. So reicht es immerhin noch fast, denn genossen habe ich fast jede Minute davon.

"Om Shanti Om" ist für Farah Khan damit der zweite Triumph nach dem gelungenen Main Hoon Na. Sie nimmt sich nicht zu ernst, das merkt man ihrem witzigen Auftritt am Anfang und nach dem amüsanten Abspann - doch sie hat ihr Material nichtsdestotrotz im Griff. Sie nutzt ihre Verbindungen in der Filmwelt für Gastauftritte, kennt das Repertoire an zitierfähigen Bollywood-Filmen und weiss genau, was das Zielpublikum will: Farben, Party, Action, Spass, Musik und Shahrukh Shahrukh Shahrukh.
Aber man darf nie vergessen, dass "Om Shanti Om" kein Liebesfilm ist, keine Romanze, kein Drama - sondern hemmungsloser Masala-Spass, quer durch alle Genres, quer durch die Dekaden. Wir sehen Bollywood wie es war und Bollywood wie es ist. Und wir sehen, warum wir diese Filmwelt mit ihren Stars so lieben. Zu kritisieren gibt es viel, nicht verwunderlich in einem fast dreistündigen Film, der so weit ausholt, doch das einzig tief greifende Manko ist für mich das Reinkarnationsthema der zweiten Hälfte, das die Zuschauer vom Film etwas distanziert. Der Rest gehört in meine Bollywood-Bestenliste. Und die Songs werden noch monatelang in meinem Player laufen.

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Beitrag #66 - erstellt: 30. Mai 2008
Jab We Met (2007)


Als ich dich traf
Mit Shahid Kapoor und Kareena Kapoor
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der reiche Aditya Kashyap (Shahid Kapoor) ist desillusioniert von seinem Leben, mehr denn je, seit die Frau, die er liebt, einen anderen geheiratet hat. Er wandert in Mumbai ziellos umher, setzt sich in einen Zug und fährt hinaus ins Blaue. Unterwegs trifft er die vorlaute Geet Dhillon (Kareena Kapoor), die auf dem Weg in ihre punjabische Heimat Bhatinda ist. Sie palavert ununterbrochen, erzählt von ihrem Liebsten Anshuman (Tarun Arora) und geht Aditya so auf die Nerven, dass die beiden bei einem Zwischenhalt den Zug verpassen. Aditya schlägt ein, Geet auf eigene Faust nach Bhatinda zu bringen. Nach einer turbulenten Fahrt kommen sie dort an und merken, dass sie mittlerweile echte Freunde geworden sind. Geet plant jedoch immer noch, mit ihrem Anshuman durchzubrennen.
Review
Wirklich schade, sind sie nicht mehr zusammen: Shahid Kapoor und Kareena Kapoor haben gemeinsam zuletzt nicht die besten Filme gedreht (Chup Chup Ke, 36 China Town), doch als Liebespaar waren sie mir irgendwie sympathisch. Wohl auch, weil sie als fesche und forsche Frau bekannt ist, während Shahid etwas Bubihaftes anhängt - eine reizvolle Kombination. Umso mehr darf man sich an "Jab We Met" erfreuen, der das Rad nicht neu erfindet, aber humorvoll, kurzweilig und romantisch eine jugendliche Story auftischt, der man gerne folgt.Doch auch wenn Ali mit ansprechenden Bildern aus mehreren Winkeln Indiens (Mumbai, Shimla, Himachal Pradesh) auftrumpft, der Soundtrack von Pritam gefällt und das Erzähltempo nie gross abfällt, so ist "Jab We Met" doch stets die Show von Kareena und Shahid. Und der Erfolg des Films, der sich auch an den Kinokassen niederschlug, geht komplett auf ihr Konto.
Kareena in der frecheren Bullock-inspirierten Rolle ist anfänglich die klar Bessere, weil sie mehr zu tun hat als ihr Partner. Sie bringt ihre Dialoge mit Schmiss und spielt mit Gusto. Shahid hält sich länger zurück, doch zeigt selbst als Mann der leisen Töne viel Charme. Er hat das Aussehen, er hat die Lockerheit, er hat den Hundeblick. .

Bis zum Schluss hofft man vergebens, dass die Energie der Anfangsphase wieder zurückkehren wird. Dies ist doch recht gravierend und schlägt sich auf die Bewertung nieder. Ebenso wie das Fehlen von echter Originalität, nicht nur im Film, selbst mindestens zwei der Songs scheinen mehr als nur inspiriert ("Aao Milo Chalo" und "Yeh Ishq Hai" siehe unten). "Jab We Met" wirkt daher immer etwas zu belanglos, inhaltlich zu wenig ambitioniert. Von daher liegt eine bessere Bewertung nicht drin.

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Beitrag #67 - erstellt: 04. Juli 2008
Laaga Chunari Mein Daag (2007)


Der Weg einer Frau
Mit Rani Mukherjee, Konkona Sen Sharma, Jaya Bachchan, Abhishek Bachchan, Anupam Kher, Kunal Kapoor und Hema Malini
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Vibha (Rani Mukerjee) und Chutki (Konkona Sen Sharma) führen in Banares am Ganges ein vermeintlich sorgenfreies Leben. Doch ihre Existenz ist bedroht, denn ihren Eltern Sabitri (Jaya Bachchan) und Shivshankar Sahay (Anupam Kher) fehlt das Geld. Das Haus, in dem sie wohnen, gehört Shivshankars griesgrämigem Bruder (Tinu Anand) und der droht jeden Tag damit, die Familie vor die Türe zu setzen. Als alle finanziellen Hoffnungen sich in Luft auflösen, beschliesst Vibha, nach Bombay zu ziehen, um dort eine Arbeit zu suchen. Da sie keine Ausbildung hat, bleibt sie erfolglos - bis ein Manager ihr gegen Sex einen Job verspricht. Die verzweifelte Vibha willigt ein, doch der Kerl zieht sein Angebot zurück. Nach dem Sex. Da sie nun eh eine gefallene Frau ist, krempelt Vibha ihr Leben um: Sie nennt sich Natasha und arbeitet as Luxuscallgirl. Bald häuft sie Reichtum an und verkehrt in den besten Kreisen. Da trifft sie auch den Unternehmer Rohan Verma (Abhishek Bachchan).
Review
Wie weit geht eine verzweifelte Frau, um ihre Familie zu finanzieren? Was früher Stoff für ein Parallel-Cinema-Drama gewesen wäre, wird unter der Regie von Parineeta-Regisseur Pradeep Sarkar zum gelackten Mainstream. Schöne Bilder, etwas Drama, schnelle Lösung. Keine Frage: Aus diesem Drehbuch hätte man mehr heraus holen können und müssen. Vor allem die letzten paar Minuten gehören zum Schwächsten, was in letzter Zeit in einem Bollywood'schen Big-Budgetfilm in Sachen Handlungsentwicklung aufgetischt wurde.
Das ganze Ensemble leistet mindestens gute, meistens aber sehr gute Arbeit - vor allem die stets verlässliche Konkona Sen Sharma, die eine breite Palette an Emotionen herüber bringen muss. Rani ist ebenso überzeugend (und schön) in einem mutigen Part, aus dem man etwas mehr hätte heraus holen können. Abhishek absolviert einen ausgedehnten Gastauftritt und agiert unauffällig solide, ebenso Rang De Basanti-Entdeckung Kunal Kapoor. Jaya Bachchan zeigt sich seit Kal Ho Naa Ho erstmals wieder auf der Leinwand und überzeugt, doch der besondere Reiz liegt wohl daran, dass sie neben ihrem Sohn zu sehen ist.
Eigentlich von der ersten Sequenz an, in der Rani und Konkona fröhlich schwesterlich durch die Strassen von Banaras tanzen, sind die Darsteller der tragende Wert des Films. Alleine ihretwegen lohnt das Ansehen schon.
Nicht zuletzt gefallen die Songs. Für sich alleine sind die Tracks keine Offenbarung, doch in Kombination mit den Bildern vermögen sie mitzureissen. Besonders überraschend ist, wie die fröhlicheren Lieder den Film aufwerten - während das dramatische Titellied "Laaga Cgunari Mein Daag" etwas bemüht klingt. Und wie Rani zu einem Luxus-Callgirl wird, könnte fast schon Millionen kleiner Inderinnen dazu bewegen, diese Karriere einzuschlagen, denn grosse Mühe bereitet Vibha ihr Aufstieg nicht. Und ein Aufstieg ist es in der Tat: Sie kriegt haufenweise Geld, edle Autos und besten Umgang.
Anupam Khers Vaterfigur meint einmal, seine Kinder seien halt keine Söhne - der Unterton ist klar: Töchter sind nutzlos. Das erst motiviert Vibha zu ihrer Reise nach Mumbai. Dort fällt sie dem schmierigen Manager in die Hände. Wieder ein Mann, der sie auf den Weg in die gesellschaftliche Verdammnis führt. Daraus hätte eine engagierte Regisseurin sicherlich beissend böse Szenen formen können. In "Laaga Chunari Mein Daag" sucht man die vergebens.
Die Stars, die Bilder, die Musik, die Inszenierung - all das ergibt ein harmonisches Ganzes.Mag sein, dass er eine verpasste Chance darstellt, weil er nicht zum feministischen Manifest von eindringlicher Schlagkraft reift, doch das juckt am Ende wenig, wenn das Resultat trotzdem unterhaltsam ist.

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Beitrag #68 - erstellt: 01. August 2008
Aaja Nachle (2007)


Komm, tanz mit mir
Mit Madhuri Dixit, Kunal Kapoor, Konkona Sen Sharma und Akshaye Khanna
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Die indischstämmige Tänzerin Dia (Madhuri Dixit) lebt mit ihrer Tochter Radha (Dalai) in New York. Da erreicht sie die Nachricht, dass das Ajanta abgerissen werden soll, um einem Supermarkt Platz zu machen. Dia erzählt der Tochter, dass das Ajanta ein Freiluft-Tanztheater in ihrer Heimat Shamli ist, in dem sie vor 11 Jahren leidenschaftlich getanzt hat und unter ihrem Mentor Guru Makarand (Darshan Zariwala) zu einer der besten Tänzerinnen der Region aufstieg. Doch sie verliebte sich in den Amerikaner Steve (Felix D'Alviella) und brannte mit ihm durch, bevor sie den von den Eltern vorgesehenen Restaurantbesitzer Mohan Sharma (Ranvir Shorey) heiraten konnte. In Amerika reichte Dia schon bald wieder die Scheidung ein, doch an eine Rückkehr war nicht mehr zu denken. Selbst ihre Familie war geächtet und zog weg. Nun fliegt sie zurück nach Indien und bietet dem Parlamentarier Raja Uday Singh (Akshaye Khanna), der das Supermarkt-Projekt mit dem Investor Farooque (Irfan Khan) durchziehen will, einen Deal an: Wenn sie es schafft, im Ajanta eine Aufführung mit nur Leuten aus dem Dorf zu organisieren, dann stirbt das Kaufhaus-Projekt. Dia entschliesst sich für die Aufführung des Klassikers "Laila-Majnu" und findet in Imran (Kunal Kapoor) und Anokhi (Konkona Sen Sharma) die passenden Hauptdarsteller. Doch kann die Show ohne Rückhalt im Dorf gelingen?
Review
Madhuri mag einer der grössten Stars der letzten Jahrzehnte sein, doch alleine trug sie kaum einen Superhit. Selbst Devdas war nur ein moderater Hit und da spielte sie erst noch die dritte Geige.Dann ist Madhuri, bei aller Sympathie, auch nicht eine ultimative schauspielerische Grösse. Sie hat ein 1000-Watt-Lachen und tanzt hervorragend, doch auf ihr Konto gehen auch ein paar Ausrutscher als Darstellerin. Neben Madhuri hat jedoch fast niemand mehr Platz. Konkona Sen Sharma ergattert sich die Nummer zwei im Cast mit einem frechen, vorlauten Spiel, doch sie war schon besser. Mit Kunal Kapoor kann sie gar nicht gross Chemie entwickeln, denn wie alle Nebenfiguren kriegen auch die beiden zu wenig Entfaltungsraum. Die meisten Personen, von Akshaye Khanna bis zum sträflich unter Wert verkauften Irfan Khan, sind rein funktional und dienen nur für ein kleines Mosaikstück im Plot, bevor sie wieder vergessen gehen. Besonders mies erwischt es den talentierten Ranvir Shorey, dessen wichtige und emotional schön ausbaubare Rolle verwässert wird.
Der Kern der Story ist vielmehr Madhuris simpel gestrickter Rettet-das-Theater-Aufruf und der ebenso oberflächliche Feminismus-Weckruf, wonach eine Frau das Recht hat, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Frauen in "Aaja Nachle" geben daher den Ton an (Madhuri, Konkona, Divya Dutta), doch daraus macht Regisseur Anil Mehta nicht viel.
Der Film ist alles andere als schlecht und niemals der Reinfall, als den ihn manche indische Kritiker hinstellten - er ist einfach nichts Besonderes. Dass die Bilder was hergeben erklärt sich von selbst, wenn Regiedebütant Anil Mehta vorher als Kameramann (Kabhi Alvida Naa Kehna, Veer-Zaara) arbeitete. Doch mit Zuckerguss, schöner Optik und gefälliger Story verdient man sich heute einfach keine Lorbeeren mehr. Es muss Pep rein. Etwas, was einen Comeback-Film aus der Masse hebt.

Sicher nicht tut das die Musik, die nur zum Mittelmass gehört. Auch nicht die Choreografie, die im ersten Song schlecht und danach auch nur okay ist. Mir gefiel das Arrangement im Titellied noch am besten, ja da tanzt Madhuri richtig gut - doch für einen Tanzfilm, der das Wort Tanz (Nachle) sogar im Titel hat, ist es zu wenig. Und weil einfach nichts in "Aaja Nachle" so richtig abgehen will, ist der Film letztendlich vor allem eines: Mit überzogenen 153 Minuten Laufzeit fast langweilig.

gekürzte Review, alles hier nachlesen.

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Beitrag #69 - erstellt: 08. August 2008
Kabhi Kabhie (1976)



Mit Amitabh Bachchan, Raakhee Gulzar, Shashi Kapoor, Waheeda Rehman und Rishi Kapoor
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der Dichter Amit Malhotra (Amitabh Bachchan) verliebt sich in die schöne Pooja (Raakhee Gulzar). Doch die Liebe der beiden wird jäh auseinander gerissen, als Poojas Eltern sie mit einem anderen Mann verheiraten: Dem Architekten Vijay Khanna (Shashi Kapoor). Amit gibt seine Poesie auf, wird Unternehmer und heiratet Anjali (Waheeda Rehman). Doch seine grosse Liebe kann er nie vergessen. 20 Jahre später haben Pooja und Vijay einen gemeinsamen Sohn namens Vikram "Vicky" Khanna (Rishi Kapoor). Der ist über beide Ohren verliebt in Pinky Kapoor (Neetu Singh). Doch als die zwei heiraten wollen, rückt Pinkys Mutter (Simi Garewal) heraus, dass sie ein Adoptivkind ist! Pinky nimmt sich vor, ihre echte Mutter zu suchen.
Review
Yash Chopra ist der Meister des Generations-übergreifenden Melodramas. Zuletzt bewies dies Veer-Zaara, wo die Rahmenhandlung 22 Jahre nach der Liebesgeschichte spielt. Aber am eindrücklichsten machte es wohl Lamhe, bei dem sich ein Mann erst in die Mutter, dann in die Tochter verliebt. "Kabhi Kabhi" war wohl eine Art Vorstufe für Lamhe und hat ähnlich mutige, fast schon Arthaus-gängige Anstriche. Während genau dies sowohl Silsila als auch Lamhe den Kinokassen-Todesstoss versetzte, wurde "Kabhi Kabhi" zum durchschlagenden Erfolg.
Einen grossen Anteil daran dürfte Amitabh Bachchan haben. Dies war nach Deewaar die zweite Kooperation von Chopra und Big B, und die beiden waren mutig genug, Amitabh komplett gegen sein "angry young man"-Image der damaligen Zeit anspielen zu lassen. Selbst mit Schnurrbart und Poesie auf den Lippen war der Kassenkönig aber nicht unterzukriegen und gibt eine starke Darbietung, die beim Publikum ankam. Altstar Waheeda Rehman spielt gefühlvoll seine Gattin, Amitabhs Deewaar-Co-Star Shashi Kapoor überzeugt als Gegenspieler. Raakhee ist als romantische Heldin nicht mein Ding. Sie war damals knapp 30 und trotzdem in der mütterlichen Rolle des zweiten Teils besser als in der jugendlichen des ersten Teils. Die Mutter, die sie später in ihrer Karriere immer wieder spielte, lag ihr also schon damals besser als die Herz erobernde Heldin, die ich ihr nicht abnehme.
Unter den Jungen sticht Rishi Kapoor heraus, der mit bunten Hüten und hippen Auftreten einen Bobby-Hangover hat. Aber er ist gut. Anders als Neetu Singh (die sich in Rishi verliebte und ihn 1980 heiratete) und Naseem, deren kindliches Spiel ab und zu ärgert. Dieses Cast gehört trotzdem zu den Stärken des Films. Die Interaktion zwischen Shashi, Amitabh, Raakhee und Waheeda sind klasse. Ebenso Chopras gefühlvolle Inszenierung, die ein paar einzigartige Momente erzeugt. Einer der besten findet statt, als Vijay vor Amits Augen zu Pooja sagt, sie könne Amits Gedichte halt nicht mitfühlen, weil sie nie geliebt habe - ein harter Schlag, der nich härter wird, weil Pooja die Inspiration dieser Gedichte war. Die Gesichter von Amitabh und Raakhee sprechen in dieser Sequenz ganze Bände.
Später im Film zieht Chopra die Dramen, die aus Anjalis Weigerung, ihre Vergangenheit offen zu legen, entstehen, etwas gar in die Länge. Aber dies ist eine Kleinigkeit. Mit 165 Minuten wirkt "Kabhi Kabhie" jedenfalls nie langweilig und bietet insbesondere in den ersten 40 Minuten eine grosse Menge an zügigen Songs. Das Melodrama gehört kurzum einfach zum Must-See-Katalog jedes Fans der Bollywood-70er, wegen den clever besetzten Stars und Chopras Mut, einen etwas anderen Film zu machen: Die Ehenacht von Shashi und Raakhee und der "Morgen danach" werden ziemlich ausgiebig gezeigt, die Konstellation der Charaktere ist ungewöhnlich und die Inszenierung ebenso intelligent wie zurückhaltend. Das ist nicht primär auf den Massengeschmack ausgerichtet, traf diesen letztendlich aber trotzdem. Und dies verdient.

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Beitrag #70 - erstellt: 15. August 2008
Ananda Bhadram (2005)



Das Schlangenjuwel
Malayalam-Mystery von Santosh Sivan mit Prithviraj und Manoj K. Jayan
erhältlich in Malayalam mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Als Anandettan noch ein Bub war, erzählte ihm seine Mutter Gayatri Devi (Revathi), dass sie einst in ihrem Dorf zu einer Halbgöttin gemacht wurde, die den Schlangendiamanten beschützen sollte. Doch ein böser Zauberer stahl das Juwel. Gayatri brach mit der Tradition und floh mit ihrem Liebsten nach San Francisco, wo ihr Sohn zur Welt kam. Nun ist Anandettan (Prithwiraj) erwachsen und kehrt nach Madambi zurück, den indischen Heimatort seiner nunmehr verstorbenen Mutter, um ihre Asche zu zerstreuen. In dem abgelegenen Ort in Kerala wird er mit einer mythischen Welt konfrontiert, die er nicht versteht. Es scheint, als wolle Digambaran (Manoj K. Jayan), der Sohn des bösen Zauberers, seine Geliebte auferstehen lassen, wozu er das Blut der jungfräulichen Bhama (Riya Sen), der Schwester seines Erzfeinds Chemban (Kalabhavan Mani) braucht. Digambaran hat die schöne Frau dazu in Trance versetzt, aus der sie auch ihr blinder Bruder nicht wecken kann. Anandettan verliebt sich derweil in Bhadra (Kavya Madhavan), die wie einst seine Mutter für den Status der Halbgöttin auserkoren wurde.
Review
Santosh Sivan, einer von Indiens bekanntesten und verehrtesten Kameramänner, drehte als Regisseur eine überschaubare Menge an Filmen. Wirklich bekannt wurden davon nur der geniale The Terrorist und sein Big-Budget-Flop Asoka. Zwischen einigen Aufträgen als Kameramann internationaler Produktionen (Bride and Prejudice, Mistress of Spices) kehrte Sivan im Jahr 2005 zu seinen Wurzeln zurück und drehte in seiner Heimat Kerala einen Mysterythriller. Er heisst "Anandabhadram" und ist ein bizarres Werk. Ein wilder Mix aus Fantasy, Horror, Komödie und Liebesfilm, manchmal arg trashig, dann von einnehmender Schönheit. Selbst wenn dieser Mix nicht immer schmeckt, so macht er doch trunken.

Im Gegensatz zu The Terrorist kennt Sivan diesmal keine Subtilität mehr. Er lässt seiner Kamera selten Ruhe und dreht das Tempo mit Jump Cuts und peitschender Musik hoch. Dabei klaut Komponist M.G. Radhakrishnan mehr als nur ein paar Noten bei Bernard Herrmanns klassischer Musik von "Psycho" für Digambarans Leitmotiv.
Dabei entwickelt sich das Unheil langsam, ja fast schleppend. Nach einem langen Prolog mit Revathi behalten Comedy-Szenen und Belanglosigkeiten die Oberhand, so dass man den Bösewicht des Films, den Magier und Astrolgen Digambaran, lange Zeit nicht einmal ernst nimmt. Besonders spannend ist der Film nämlich nicht inszeniert, der immergleiche Musikeinsatz nutzt sich ebenso rasch ab wie das Overacting vieler Darsteller. Umso wichtiger, dass Sivan etwas Interessantes zur Hand hat, worauf er seine Kamera richten kann. Zum Beispiel die hübsche Bollywood-Schauspielerin Riya Sen, ideal besetzt als Mädchen in Trance, wodurch ihre mimischen Fähigkeiten kaum strapaziert werden. Dazu schnell geschnittene Martial-Arts-Einlagen, geschmeidig gesungene Songs, wunderbare Closeups und sogar ein paar Special Effects - und Aufmerksamkeit ist garantiert.

Doch letztendlich ist "Ananda Bhadram" doch eher ein etwas überlanges, nicht immer reibungslos montiertes Stückwerk, als ein durchdachter Film. Der Grundton ist zu wenig einheitlich, die Schauspier agieren zu theatralisch, die Umsetzung wirkt forciert. Dementsprechend anstrengend ist es, die 134 Minuten durchzuhalten.

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Beitrag #71 - erstellt: 07. September 2008
Jhoom Barabar Jhoom (2007)



Mit Abhishek Bachchan, Preity Zinta, Lara Dutta, Bobby Deol und Amitabh Bachchan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
An einem Bahnhof in London warten der selbstbewusste Rumhänger Rikki Thukral (Abhishek Bachchan) und die elegante Alvira Khan (Preity Zinta) auf einen Zug aus Birmingham. Da der über eine Stunde Verspätung hat, vertreiben sie sich die Zeit in einem Café und kommen ins Gespräch. Rikki stellt sich dabei ziemlich forsch an, weshalb Alvira ihm rasch klarmacht, sie sei verlobt und ihr Zukünftiger käme bald mit dem verspäteten Zug. Wie es der Zufall will ist auch Rikki verlobt und wartet auf seine Angebetete. Die zwei fühlen sich nun sicherer und plaudern lockerer. Rikki erzählt, wie er seine Anaida (Lara Dutta) in Paris getroffen hat und Alvira erklärt, ihr Steve (Bobby Deol) habe sie vor einer herunterfallenden "Superman"-Statue gerettet. Es dauert nicht lange und Rikki und Alvira verstehen sich richtig gut ...
Review
"Jhoom Barabar Jhoom" hat ein paar wirklich grobe Probleme und die spiegeln sich in meiner mittelmässigen Bewertung wider. Doch wer mit der richtigen Einstellung an den Film geht, hat hier durchaus zwei Stunden gute Laune. Regisseur Shaad Ali Sahgal zelebriert in seinem dritten Film nach Saathiya und Bunty Aur Babli vielmehr Bollywood in seinen schrillsten Formen und Farben. Die Akteure passen sich dem Vibe an, so taucht etwa Amitabh Bachchan beinahe wortlos als Lückenfüller auf und ist an allen möglichen Stellen in einem Kostüm zwischen Jack Sparrow und Papagei zu sehen, stets dann, wenn der Titelsong "Jhoom" eingespielt wird.
Preity wiederum sieht fast schon künstlich süss und sexy aus und tut damit genau das Richtige in dieser Rolle. Ihren Akzent wechselt sie ständig, ebenso Co-Star Abhishek, der manchmal klingt wie ein frisch aus dem Punjab eingeflogener Bauer, dann wieder wie ein seit Jahrzehnten in London lebender NRI. Überraschender vielleicht, dass die Sekundärfiguren besser abschneiden: Bobby Deol und Lara Dutta. Letztere fühlt sich vor allem als lebensfrohe Prostituierte wohl und hat im späten Teil des Films einige der besseren Lacher auf ihrer Seite. Bobby wiederum ist halbwegs charmant, was mehr ist, als man von ihm erwarten kann. Und er tanzt ausnahmsweise richtig gut.
Der Soundtrack von Shankar-Eshaan-Loy ist sogar das Beste am ganzen Film. "Jhoom" wird ein paar Mal zu viel eingespielt, doch die Songs reissen mit und verleihen etwa dem gut 20-minütigen Tanzfinale die Impression, dass wir in einem All-Star-All-Music-Spektakel sind. Musikalische Höhepunkte sind der gefühlvolle "Bol Na Halke Halke" und die verschiedenen Inkarnationen von "Jhoom". Schade nur, wurden alle mit Amitabh im selben Bahnhof gedreht, der mit der Zeit visuell nichts mehr hergibt.

Die ganzen Meta-Verweise alle zu erhaschen, ist fast unmöglich. Hier eine Auflistung der Wichtigsten: Abhisheks Handy klingelt mit den Worten "hey handsome" seiner jetzigen Ehefrau Aishwarya Rai aus Bunty Aur Babli. Im Song "Bol Na Halke Halke" wirft Preity ihr Gepäck in Veer Zaara-Montur auf Abhishek in Coolie-Aufmache. Als Abhishek aufzählt, wer alles im Madame Tussaud's steht, erwähnt er mit einem besonders dicken Lachen seinen Papa - "our good ol' Bachchan". Und der wohl beste Wink: Bobby und Abhishek fahren wie einst ihre Väter Dharmendra und Amitabh in Sholay per Motorrad mit Seitenwagen durch die Stadt - begleitet von den Klängen aus "Yeh Dosti". Und bei Bollywood ist nicht mal Schluss: Der Song "Kiss of Love" etwa besteht fast ausschliesslich aus Comic-Dekors wie der Eiswelt aus "Superman" oder Gotham City aus "Batman".

Empfehlen würde ich JBJ daher nur denen, die zwei Stunden in eine dünne, vorhersehbare und relativ emotionsarme, aber verspielt umgesetzte Bollywood-Komödie eintauchen wollen, die neben einem Top-Soundtrack und vielen Film-Referenzen auch schicke Kostüme und Tänze zeigt. Eine oberflächliche Sache also. Aber keine, die es komplett zu zerreissen lohnt.

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Beitrag #72 - erstellt: 26. September 2008
Salaam-E-Ishq (2007)



Mit Salman Khan, Priyanka Chopra, Govinda, Anil Kapoor, John Abraham, Akshaye Khanna, Vidya Balan, Juhi Chawla und Ayesha Takia
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Die Item-Queen Kkamini (Priyanka Chopra) hat genug davon, nur als Sexbombe zu gelten. Sie will endlich eine Hauptrolle in einem Karan-Johar Film. Ihr Manager (Tinnu Anand) meint, dafür müsse sie zuerst ihr Image ändern, worauf Kkamini einen Mann namens Rahul erfindet, den sie seit ihrer Jugend lieben soll. Da taucht tatsächlich ein Mann namens Rahul (Salman Khan) auf und nutzt Kkaminis Lüge schamlos aus. In den Zeitungen wird dies zum Top-Thema, doch Taxifahrer Raju (Govinda) aus Delhi bekommt davon wenig mit. Er hat nur Augen für Stephanie (Shannon Esrechowitz), die auf der Suche nach ihrem Liebhaber ist. Raju bietet sich als Fahrer an und kurvt die Ausländerin durchs halbe Land. Bereits einen Schritt weiter ist Shiven (Akshaye Khanna), der sich mit der hübschen Gia (Ayesha Takia) verlobt hat. Doch vor der Hochzeit gerät er in Panik. Gias Schwester Seema (Juhi Chawla) hat ebenso Ärger mit ihrem Kerl: Vinay (Anil Kapoor), ein Geschäftsmann in London, will aus seinem öden Leben ausbrechen und verguckt sich in die Tänzerin Anjali (Anjana Sukhani). Fremdgehen käme dem treuen Ashutosh (John Abraham) indes nie in den Sinn. Er liebt seine Tehzeeb (Vidya Balan) über alles - auch dann, als sie bei einem Unfall ihr Gedächtnis verliert. Bloss materiellen Verlust haben derweil die frisch verheirateten Ram Dayal (Sohail Khan) und Phoolwati (Isha Koppikar), die es schaffen, in ihrer Hochzeitsnacht das Haus anzuzünden.
Review
Ein Ensemblefilm ist kein leichtes Unterfangen. Es gilt, verschiedene Handlungsstränge am Laufen zu halten und im Idealfall clever zu verknüpfen. Paradebeispiele für derartiges Filmemachen sind Robert Altmans "Short Cuts", Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" oder Paul Andersons "Magnolia". In jüngerer Zeit drehte der Brite Richard Curtis mit Love Actually einen romantischen Ensemblefilm, der in vorweihnachtlichem Ambiente eine Serie von starbesetzten Liebesgeschichten erzählte.

Das Erstaunliche dabei: Er schafft dies über 201 Minuten, respektive gar 217 Minuten in der Kinofassung. In dieser ganzen Zeit wird es kaum langweilig, da die starbesetzten Episoden stets flott voran kommen und gewürzt sind mit Humor, Musik und viel Romantik.
Überraschend dabei, dass ausgerechnet Govindas Plot zu den Besseren gehört: Der Komiker, dessen Haarpracht verdächtig füllig geworden ist, spielt den verliebten Taxifahrer mit Charme und gleicht die schauspielerischen Defizite seiner südafrikanischen Partnerin Shannon Esrechowitz ("I Dreamed of Africa") mühelos aus. Ebenfalls gelungen ist die Handlung mit dem gut aufgelegten Akshaye Khanna und der liebreizenden Ayesha Takia. Schwerere Kost gibts bei Anil Kapoor und Juhi Chawla - eine nicht ganz glaubhafte Episode, aber sauber gespielt und vor allem am Schluss rührend. Noch trister gehts bei John Abraham und Vidya Balan zu und her. Auch hier ist nicht alles glaubhaft, doch dank den Stars und der behutsamen Inszenierung funktioniert die Sache.

Am meisten Glamour bringen indes die schrille Priyanka Chopra und der gelangweilte Salman Khan ins Spiel. Beide sind spielfreudig, ihre mit Seitenhieben auf das Filmgeschäft gespickte Story hinkt etwas, das Spiel ist over-the-top - doch vor allem dank den Songs birgt ihr Plot viel Schmiss. Shankar-Eshaan-Loy liefern für den Film einen erstklassigen Soundtrack ab, der "Salaam-e-Ishq" nicht unwesentlich aufwertet. Dank ihr reicht der oft mittelmässige Film sogar an die nächsthöhere Bewertung heran. Diese rechtfertigt alleine schon fast das tolle Titellied, das in bester Karan Johar-Manier umgesetzt ist. Nicht verwunderlich, ist Nikhil Advani doch ein Johar-Zögling und inszenierte für jenen sein Debüt Kal Ho Naa Ho.
Advani gelingt es, in jeder Szene etwas zu vermitteln - was nicht in allen Bollywoodfilmen der Fall ist. Vielfach verstopfen unnütze Sequenzen den Plot, nur um die Lauflänge zu strecken. Hier passiert alles relativ effektiv, was angesichts der Lauflänge erstaunt, doch Advani lässt nur wenig Ballast übrig. Ein wenig davon hat er für den gekürzten DVD-Release noch zusätzlich gekappt, so etwa eine auch in der Kurzfassung leicht peinliche Episode mit einem rasierten Anil Kapoor in der Disco.
Die Montage ist weitgehend flüssig, die Kamera grundsolide, der Humor nicht schlecht dosiert. Genau das Richtige also für einen verregneten Nachmittag.

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Beitrag #73 - erstellt: 22. November 2008
Bhoothnath (2008)



Ein Geist zum Liebhaben
Mit Amitabh Bachchan, Juhi Chawla und Shahrukh Khan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Der Seemann Aditya Sharma (Shahrukh Khan) zieht mit seiner Frau Anjali (Juhi Chawla) und dem gemeinsamen Sohn Aman alias Banku (Aman Siddiqui) in die Nath-Villa bei Goa. Dort soll es spuken, doch für Aditya ist das alles Aberglaube. Er hat leicht reden, denn während seine Familie in dem Anwesen wohnen darf, fährt er zur See. Tatsächlich passieren in der Villa bald bizarre Dinge und eines Nachts begegnet Banku dem Geist: Es ist Kailash Nath (Amirabh Bachchan), der verstorbene Besitzer des Hauses. Banku nennt ihn Bhoothnath und freundet sich mit ihm an. Kailash wiederum gibt schon bald auf, den Buben zu erschrecken und geniesst die Zeit mit dem Kleinen. Doch kann diese seltsame Freundschaft andauern?
REVIEW
Bollywoods Kinderfilme taugen meistens nichts. Irgendein untalentiertes Gör, vorzugsweise ein Spross des Produzenten, wird in ein schlecht gemachtes Abenteuer gestürzt und weil es für Kinder gedacht ist, sollte man auch drüber wegsehen können, dass die Qualität zu wünschen übrig lässt. Zu erleben etwa in Bhoot Unkle oder My Friend Ganesha. "Bhoothnath" ist anders. Er ist mit zwei der grössten Stars Bollywoods besetzt, aufwendig gemacht und produziert vom angesehenen Vater-Sohn-Duo B.R. und Ravi Chopra. Da liegt die Messlatte schon deutlich höher und der Film wird den Ansprüchen auch in den meisten Bereichen gerecht.

Das Wichtigste zuerst: "Bhoothnath" unterhält gut. Die Story mag vorhersehbar sein, doch alle Akteure sind in bester Spiellaune, die sporadisch eingesetzten Spezialeffekte überzeugen und knapp über zwei Stunden verströmt das Werk Kurzweil. Wer kein Meisterwerk erwartet, das neue Wege geht oder inszenatorisch sich ein Bein ausreisst, der wird hier gut bedient. Probleme gibts nichtsdestotrotz en masse. So ist etwa das Ende ein wenig inkonsequent, damit doch noch mit einer positiven Note beendet werden kann. Die Story wirkt etwas simpel gestrickt und die Musik taugt nicht viel. Besonders nervig ist die Inszenierung von "Hum To Hain Aandhi", in dem Schulmädchen in Miniröcke gestürzt werden und die Jungs auf coole Hip-Hop-Poser machen. Das ist entsetzlich anzusehen und schwer auszuhalten.

Und es deutet einmal mehr die Schizophrenie von Ravi Chopra an. Der produzierte zwar nur, doch es ist anzunehmen, dass er dem Regiedebütanten Vivek Sharma mehrfach ins Handwerk pfuschte, denn vieles in "Bhoothnath" trägt den verquast konservativen Chopra-Stempel. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Regisseur seine wertkonservative Überzeugung in einen Film einfliessen lässt, selbst wenn sie nicht meinem eigenen Denken entsprechen mag - doch wenn das Ganze verlogen wirkt, dann nervt es. In den Songs hat Chopra denn tatsächlich nie etwas dagegen, westlichen Anti-Werten zu verfallen. Knapp bekleidete Girls in "Mere Buddy", auf Schlampen getrimmte Kids in "Hum To Hain Aandhi" - das ist Chopras Nachäff-Versuch von westlicher Coolness, die nur peinlich wirkt.

Auf der anderen Seite schwingt der Mann seine Moralkeule an den unpassendsten Orten: Ganz in Baghban-Manier ist Amitabhs Sohn, der im Westen gelebt hat, ein kaltherziger Ignorant geworden, und seine NRI-Schwiegertochter Shaana (Shaana Diya) ist sogar ein richtiges Monster. Motto: Was aus dem Westen kommt, kann nur verdorben sein. Dieses Chopra-typische Motiv passt überhaupt nicht zum sonst leichtfüssigen "Bhoothnath" und wird die meisten westlichen Zuschauer ziemlich verärgern. Das verlogene Schablonen-Denken von Ravi Chopra hat schon seine eigenen Filme vergiftet, nun sorgt es auch in diesem von ihm produzierten Werk für Unbehagen.
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Beitrag #74 - erstellt: 22. November 2008
Bunty Aur Babli (2005)



Mit Abhishek Bachchan, Rani Mukherjee, Amitabh Bachchan und Aishwarya Rai
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Rakesh (Abhishek Bachchan) lebt mit seiner Mutter und seinem Vater (Raj Babbar), einem Bahnkondukteur, in Fursatganj im Bundesstaat Uttar Pradesh. Seine Eltern wollen, dass er in die Fussstapfen von Papa tritt, doch Rakesh hat andere Pläne - und reisst von zuhause aus. Unterwegs trifft er Vimmi (Rani Mukherjee), die ebenfalls ausriss: Ihre Eltern (Puneet Issar, Kiran Joneja Sippy) wollten sie verheiraten. Das Duo erkennt schnell, dass es mit Ehrlichkeit wohl nie ans Ziel kommt. Die zwei beschliessen, eine Zweckgemeinschaft zu bilden - und Leuten Geld abzuluchsen. Das funktioniert so gut, dass sie damit reich werden und in Indien als "Bunty und Babli" zu zweifelhaftem Ruhm kommen. Dadurch ziehen sie aber das Interesse des verbissenen DCPs Dashrath Singh (Amitabh Bachchan) auf sich. Der Cop jagt das Gaunerpärchen, das in der Zwischenzeit heimlich geheiratet hat, quer durchs Land.
REVIEW
"Bunty aur Babli" ist tatsächlich ein Film der verpassten Chancen, wie der Kritiker von Upperstall ihn umschrieben hat. Doch anstatt daran zu versauern, was der Film hätte sein können, sollte man geniessen, was er ist: sommerleichter Masala-Spass mit hohem Charme-Faktor und keinerlei Tiefgang. Er könnte kaum zu einer besseren Jahreszeit laufen. Vielleicht ist gerade diese Hingabe an die Trivialkultur für manche Fans von Saathiya, dem ersten Film von Regisseur Shaad Ali Sahgal (den Nachnamen liess er früher weg), eine kleine Enttäuschung. Der war schwerere Kost, kein Wunder, war er doch ein Remake von Mani Rathnams Alai Payuthey. "Bunty aur Babli" dagegen ist ganz sein Baby und jenes von Autor / Produzent Aditya Chopra (DDLJ). Ein Gute-Laune-Film, dem ein Bollywood-Fan nur schwer widerstehen kann.

Am ehesten vergleichen kann man ihn mit Steven Spielbergs Catch Me If You Can, bei dem er nicht nur die Tricks und die Flucht vor einem besessenen Cop abguckt, sondern gegen Schluss noch etwas mehr. Gemeinsam haben die zwei Filme den federleichten Umgang mit moralisch etwas vom Weg abgekommenen Menschen. Das Duo ist kaum mit "Bonnie & Clyde" vergleichbar, da ihre Taten völlig harmlos sind: Ihren doofen Opfern mag mans gönnen, dass B&B sie ausrauben. Die zwei sind so clever, sie vermieten sogar einem Touristen das Taj Mahal. Deshalb verliert man auch nie die Sympathie für sie - ein wichtiges Element in einem Film, der ganz darauf ausgerichtet ist, dass man die Helden liebt.

Das tat ich voll und ganz. Abhishek war selten zuvor liebenswerter als hier. Manchmal wirkt er zu sehr wie ein Hampelmann und tanzen kann er immer noch nicht (beste Beispiele: "Nach Baliye" und "Kajra Re"), doch er verströmt Charme gleich kiloweise. Und trotzdem muss er sich geschlagen geben: von Rani Mukherjee. Der momentane Bollywood-Darling hat für Sahgal schon in Saathiya überzeugt und steht diesmal regelrecht unter Strom. Das macht bereits der erste Song "Dhadak Dhadak" klar, bei dem sie weniger tanzt, als elektrifiziert auf dem Boden herumspringt. Das Energiebündel Rani hält "Bunty aur Babli" auch in den schwächeren Momenten am Leben. Ihr grösstes Manko: Die absichtlich künstlichen Heul-Szenen sind scheusslich. Aber wenn das alles ist, dann kann man sich glücklich schätzen. Und als Bonus gibts drei zärtliche Küsschen für ihren Yuva-Co-Star Abhishek kurz vor dem Lied "Chup Chupke". Weil die Chemie der beiden so gut ist, sind die Lippenbekenntnisse selbst für Bollywood-Verhältnisse ausnahmsweise nicht schlüpfrig.

Von grösstem Interesse sind aber auch zwei Nebendarsteller. Zum einen Amitabh Bachchan, der ein Intro à la Chow Yun-Fat in A Better Tomorrow bekommt. Dies ist sein erster gemeinsamer Auftritt mit Sohnemann Abhishek und es gibt etliche Szenen, die "subtil" darauf hinweisen ("mein Vater ist genau wie sie"). Ihre ersten Worte schreiben eigentlich Kinogeschichte und sind trotzdem so schön lapidar. Die Chemie zwischen den beiden ist jedenfalls hervorragend. Schade nur, darf Big B nicht etwas länger mit Black-Co-Star Rani Mukherjee verweilen. Dafür tröstet ihn eine andere Dame - niemand Geringeres als Aishwarya Rai. In ihrem ersten Item Song seit "Ishq Kamina" in Shakti: The Power zeigt sich die Miss World von der besten Seite: von hinten. Ihr Rücken bekommt beinahe eine eigene Hauptrolle während dem Track "Kajra Re".
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Beitrag #75 - erstellt: 22. November 2008
Eklavya - The Royal Guard (2005)



Der königliche Wächter
Mit Amitabh Bachchan, Saif Ali Khan, Vidya Balan und Sanjay Dutt erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation. Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Rana Jaywardhan (Boman Irani) ist der König von Devigarh in Rajastan, hat im heutigen Indien aber keine Macht. Mit seiner Frau Suhasinidevi (Sharmila Tagore) und der geistig angeschlagenen Tochter Nandinidevi (Raima Sen) residiert er im Palast über der Stadt, sein Sohn Harshwardhan (Saif Ali Khan) lebt im Ausland. Als die Königin erkrankt, nutzt der König die Gelegenheit, um sie zu töten. In ihrem letzten Brief berichtet sie Harsh, dass Jaywardhan nicht sein Vater ist, denn der König ist unfruchtbar. Harsh und Nandini sind vielmehr die Kinder von Eklavya (Amitabh Bachchan), dem Palastwächter, dessen Vorfahren seit Generationen den König bewachen. Genau diese Arbeit kann der langsam erblindende Eklavya eines Tages nicht richtig ausführen: Der König wird von seinem neidischen Bruder Jyotiwardhan (Jackie Shroff) und dessen Sohn Udaywardhan (Jimmy Shergill) getötet. Eklavya will Rache üben, Inspektor Pannalal Chohaar (Sanjay Dutt) dies verhindern.
REVIEW
Sieben Jahre ist es her, seit Vidhu Vinod Chopra mit dem mitreissenden Actiondrama Mission Kashmir die Kinogänger erfreute. Danach arbeitete er an verschiedenen Drehbüchern und zog sich in die Rolle des erfolgreichen Produzenten zurück - für die Hits Munna Bhai M.B.B.S., Parineeta und Lage Raho Munna Bhai. Erst das Jahr 2007 führte Chopra zurück in den Regiestuhl: Er inszenierte das Palastdrama "Eklavya" nach seinem eigenen, mehrere Jahre in Vorbereitung befindlichen Skript, und gewann dafür ein unglaubliches Star-Ensemble. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch und werden weitgehend erfüllt. Doch das grosse Epos ist "Eklavya" nicht geworden: Er ist etwas zu kurz, etwas zu simpel gestrickt und etwas zu salopp gefilmt.

Gerade Letzteres erstaunt und muss auch gleich relativiert sein: So sind die Nahaufnahmen oft von bestechender Präzision. Auch viele der Bilder des Palasts von Devigarh sind eine Pracht. Doch Parineeta-Kameramann N. Nataraja Subramanian übertreibt es ganz gehörig mit den Kameraschwenks und -Flügen. Fast jeder Shot wird eingeführt mit einem grossen Schwenk, der dem Film episches Gewicht verleihen soll, welches er angesichts der etwas übereilten Erzählweise einfach nicht bekommen will. Dieses Stilmittel läuft sich aber rasch tot. Auch so manche Komposition im Innern des Palasts hätte ausgefeilter sein können. Man muss als Vergleich ja nicht gleich das Nonplusultra eines Palastdramas heranziehen (Curse of the Golden Flower), doch "Eklavya" bleibt visuell oft hinter dem Machbaren zurück.

Anzuschauen ist das Drama dennoch wunderbar. Die Kostüme, die Sets, die Originalschauplätze in Rajastan - einfach eine Wucht. Und dazwischen ein Ensemble, das man als Bollywoodfan wohl einfach anbeten muss. Amitabh Bachchan gibt eine reife Altersperformance. Mit eingefallenen, traurigen Augen verleiht er seinem Charakter, der nach dem treu ergebenen Eklavya aus dem "Mahabharata" benannt ist, die nötige Schwere. Dergleichen ist sonst keiner Figur gegönnt, da Chopra sich kaum Zeit nimmt, die Personen auszustaffieren - doch dazu später. Saif Ali Khan reicht nicht an Bachchan heran, sieht aber toll aus und markiert Präsenz. Sanjay Dutt füllt seine kleine Rolle mit Verschmitztheit aus, Jackie Shroff ist angenehm diabolisch, ebenso Boman Irani als impotenter König. Saifs Mutter Sharmila Tagore ist nur kurz zu sehen, aber allein der Anblick ist eine Freude. Jimmy Shergill bleibt eher blass, Raima Sen spielt gut. Chopras Entdeckung Vidya Balan zeigt als Saifs Geliebte Rajjo einmal mehr, dass sie zu den vielversprechendsten Stars ihrer Generation gehört. Sie verbessert sich hier zwar im Vergleich zu Parineeta kaum, doch solche historisch angehauchten Rollen liegen ihr einfach besser als zeitgenössische.

Vidya wird auch der einzige Song des Films gegönnt, der wunderbare "Chandre Re". Der Rest des Soundtracks ist instrumentell, aber sehr kraftvoll und souverän eingesetzt. Weil es keine Songs gibt, ist "Eklavya" auch so kurz: 107 Minuten. Und das ist schlicht zu wenig für einen Film, der Shakespeare ebenso zitiert wie das "Mahabharata". "Eklavya" schreit regelrecht nach epischer Behandlung, nach Ausarbeitung seiner vielen Figuren, nach wuchtigen Gesten, nach Intrigen und Gegenintrigen.
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Beitrag #76 - erstellt: 22. November 2008
Jodhaa Akbar (2008)



Mit Hrithik Roshan und Aishwarya Rai
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Nach dem Tod von Humayun, dem zweiten Kaiser des Mughals, besteigt sein Sohn Jalaluddin Muhammad anno 1556 im Alter von 13 Jahren den Thron des nordindischen Reichs. Als Erwachsener schafft es der Moslem Jalaluddin (Hrithik Roshan), gleich mehrere hinduistische Reiche Hindustans unter seiner Herrschaft zu einen. Nur wenige Könige, vor allem in Rajastan, wehren sich. Der Rajput-König Bharmal (Khulbhusan Kharbandha) von Amer will sein Volk aber nicht in einen Krieg führen und bittet den Mughal-Kaiser, seine Tochter Hira Kunwari alias Jodhaa (Aishwarya Rai Bachchan) zu heiraten. Jalaluddin sagt zu und erfüllt die Bedingungen seiner Zukünftigen: Sie darf ihren hinduistischen Glauben behalten und in ihren Gemächern einen kleinen Tempel errichten. Die Ehe wird geschlossen, aber vorerst nicht vollzogen, denn Jodhaa liebt ihren Gemahl nicht. Der regiert wacker weiter, wehrt Proteste seiner islamischen Gelehrten ab, tötet seine Palast-internen Widersacher und behält seine Gegner im Auge - darunter Jodhaas Cousin Sujamal (Sonu Sood) und seinen Schwager Sharifuddin (Nikitin Dheer). Um das eigene Volk und auch Jodhaa weiter auf seine Seite zu bringen, schafft Jalaluddin die Pilgersteuer für die Hindus ab, worauf er den Namen Jalaluddin Muhammad Akbar verliehen bekommt.
REVIEW
Der definitive Film über das Mughal-Reich (1526-1857) bleibt auch weiterhin Mughal-E-Azam, K.Asifs gigantomanischer Box-Office-Champion von 1960, in dem Dilip Kumar den Prinzen Salim spielt und Altstar Prithviraj Kapoor den grossen Kaiser Akbar verkörpert. Mit "Jodhaa Akbar" widmet sich Lagaan-Regisseur Ashutosh Gowariker genau dieser so wichtigen historischen Figur: Jalaluddin Muhammad Akbar, der grosse Teile Indiens einte und in eine kulturelle Blütephase brachte. Er lebte zwischen 1542 und 1605, auf den Thron kam er schon als Teenager. Unter ihm erreichte das Mughal-Reich beinahe seine grösste Ausdehnung und der Mann war hauptsächlich für die Kultur des Zusammenlebens verantwortlich, weil er als Muslim die eroberten hinduistischen Reiche ihre Religion behalten liess. Die meisten von Akbars Nachfahren führten diese Tradition weiter und prägten nicht zuletzt die ganze nordindische Kultur. Sein Enkel baute das legendäre Taj Mahal.

Dem grossen Herrscher wird der epische "Jodhaa Akbar" auf alle Fälle gerecht. Er mag kein perfekter Film sein, kommt nicht ganz an Mughal-E-Azam heran und kriegt von mir knappe 3½ Sterne, wodurch er hinter Gowarikers letzten Werken Lagaan und Swades zurück bleibt - doch was der "Oscar"-nominierte Regisseur hier anrichtet, ist grosses Kino. Das machen schon die Schlachten am Anfang deutlich. Sie sind von ihrem Aufbau inspiriert von "Lord of the Rings" und "Troy", ohne die Qualität von denen zu erreichen. Doch hier treten echte Menschen und Tiere an, das macht die Sequenzen schon mal sehr imposant. Dann wird blutig gekämpft und ein Elefant tritt schon mal den Kopf eines am Boden liegenden Kriegers flach. So etwas sieht man in Bollywood selten und es wird klar, wo das grosse Budget von 400 Millionen Rupien hinfloss: "Jodhaa Akbar" gehört zu den aufwändigsten indischen Filmen überhaupt und die Schlachten haben internationales Niveau.

Der Rest leider nicht immer. So gibt es mehrere Einzelkämpfe, darunter zwei wichtige, von denen einer grandios und der andere eher enttäuschend ist: Der tolle ist der zwischen Hrithik Roshan und seinem Rivalen in der Schlussphase. Auch hier mag "Troy" als Vorbild dienen, doch der Fight entwickelt Kraft und Eigendynamik. Eine eindrückliche Sache. Das Gegenteil muss man vom Fight zwischen Hrithik und Aishwarya Rai berichten: Zwar hat Rai in ihrem letzten Film The Last Legion schon ein Schwert geschwungen, nur dabei leider nicht viel gelernt. Sie wirkt steif und kampfunfähig. Gowariker tut ihr keinen Gefallen, wenn er viel zu wenig schneidet und lange Einstellungen Rais Kampfdefizite so offensichtlich machen.

Trotz dieses Ausrutschers gehört die Action zu den Assen des Werks. Ebenso die prächtigen Schlösser, die Kameramann Kiran Deohans (Kabhi Khushi Kabhie Gham) fast zu gern einfängt. Er und Gowariker sind am prahlen: "Schaut unsere Sets an, schaut den Aufwand an" - doch das sei ihnen gegönnt, auch wenn es den Film unnötig in die Länge zieht. 197 Minuten sind mindestens 30 zu viel, das bekommt man vor allem in der schleppenden Phase nach den ersten Schlachten zu spüren, wenn die Spannungskurve gegen null stürzt und lange nichts passiert.
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Beitrag #77 - erstellt: 22. November 2008
Paap (2004)



Eine verhängnisvolle Sünde
Mit John Abraham und Udita Gosami
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Kaaya (Udita Gosami) lebt mit ihrem Vater in einem buddhistischen Kloster in Spiti. Eines Tages wird die junge Frau gebeten, nach Delhi zu reisen. Dort soll das Oberhaupt der Gemeinschaft als Kind wiedergeboren worden sein. Kaaya fährt in die Grossstadt und findet den kleinen Lamo. Doch auf der Rückreise wird der Bub Zeuge, wie der Polizist ACP Raj Mehra (Gulshan Grover) auf dem WC einen anderen Cop tötet. Der toughe Polizist Shiven (John Abraham) nimmt die Ermittlungen auf und bringt Kaaya mit Lamo bei seiner Schwester unter. Als er von Lamo aufgeklärt wird, wer der Mörder war, informiert er seinen Boss DCP Mathur. Ohne zu ahnen, dass der Mehras Auftraggeber ist! In Delhi wird es damit für Shiven zu gefährlich: Er reist, von einer Kugel Mehras verletzt, mit Kaaya und Lamo nach Spiti. Dort wird er gesund gepflegt - und verliebt sich in die gut behütete Kaaya.
REVIEW
Hit-Produzentin Pooja Bhatt gibt mit "Paap" ihr Regiedebüt. Für die Hauptrolle konnte sie John Abraham gewinnen, dessen Debüt Jism sie produziert hatte. Und da man an Mr. Abraham eine gewisse Vorstellung von einem sexy Leading Man knüpft, wurde auch eine aufgeheizte Werbekampagne iniziiert, die die beiden Hauptdarsteller in etlichen erotischen Posen zeigte. Ein paar Beispiele gibts hier. Der Film selber ist bedeutend weniger knisternd. Es handelt sich um ein Remake von Peter Weirs Amish-Thriller "Witness" mit Harrison Ford in der Hauptrolle. John übernimmt dessen Job halbwegs passabel. Er zieht sein Shirt für alle Ladies im Publikum bei jeder Gelegenheit aus, doch mit dem Schauspielern ist er in manchen Szenen überfordert. Er hat seine Momente - etwa, wenn er erfährt, dass sein Freund getötet wurde - aber weitgehend wandelt er etwas müde durch den Streifen. Auch seinen Look sollte er langsam überdenken. Die öligen Haare und der Dreitagebaart sind ziemlich abgestanden.
An seiner Seite debütiert Udita Goswami. Sie sieht sehr attraktiv aus und hat einen Traum von einem Body, den man auch zweimal bei Unterwasserszenen bestaunen darf - aber schauspielerisch ist sie eine Wurst. Den ganzen Film hindurch atmet sie so tief und energisch, dass man meinen könnte, sie leide unter Asthma oder gebäre in den nächsten Sekunden ein Kind. Klar soll sie emotional aufgewühlt sein, aber Mund leicht öffnen, grosse Augen machen und viel Sauerstoff einatmen, das macht einfach noch keine emotionale Szene. Die drei Songs in "Paap" sind auch nicht der Rede wert, da sie zur Kategorie "langweilig" gehören. Und die Nebendarsteller können kaum glänzen.
Also wieso zum Henker 2½ Sterne? Zum einen, weil der Film mit nur 121 Minuten Lauflänge rassig inszeniert ist. Wenig Speck und Ballast an dem Streifen. Und er ist schlicht wunderschön gefilmt. Die Landschaft von Spiti ist umwerfend und die Farb-Konstellation mit den roten Mönchskutten (und der schönen Udita) erzeugt eindrückliche Bilder. Auch die Handlung vermag trotz grösseren Logikschwächen und halbstarken Bösewichtern einigermassen zu unterhalten. Ganz zum Ende bietet ein für Bollywood gewagt langer und intimer Kuss den krönenden Abschluss. "Paap" ist kein sensationeller Film, aber ein akzeptables Debüt. Wenngleich man von einer der wichtigsten Personen in Bollywood einen vielleicht noch etwas grösseren Film erwartet hatte ...

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Beitrag #78 - erstellt: 22. November 2008
Taare Zameen Paar (2007)



Ein Stern auf Erden
Von und mit Aamir Khan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Der achtjährige Ishaan Awasthi (Darsheel Safary) fällt in der Schule in jedem Fach durch. Seine Mitschüler hänseln ihn, weil er etwas langsamer denkt und reagiert als sie. Der Kleine wird zum Aussenseiter. Seine Eltern (Tisca Chopra, Vipin Sharma) halten ihn deshalb für einen Tunichtgut, den man disziplinieren muss - schliesslich erzielt ihr älterer Sohn nur Bestnoten in der Schule. Als Ishaan in der Schule immer öfter für Zoff sorgt und seine Noten ins Bodenlose sausen, schicken ihn die Eltern in ein Internat. Auch dort beschäftigt sich Ishaan nicht gerne mit Mathe oder Englisch, er interessiert sich mehr für Farben, Geschichten und Figuren. Erst der Kunst-Aushilfslehrer Ram Shankar Nikumbh (Aamir Khan) erkennt, dass Ishaan ein sehr intelligenter Bub ist, der nur ein Problem hat: Er leidet an Dyslexie und kann die Buchstaben oft nicht richtig zuordnen.
REVIEW
"Taare Zameen Par" ist ein schöner Film, nicht mehr und sicher nicht weniger. Etwas Weltbewegendes inszenierte Aamir Khan hier nicht - doch das war wohl auch gerade seine Absicht. Der Bollywood-Superstar nahm sich für seine erste Regiearbeit ein Anti-Masala-Thema vor und inszeniert es mit einer beachtlichen Routine, einer beklatschenswerten Zurückhaltung und einem Gespür für Naturalismus. Ein wenig fühlt man sich an Chak De! India erinnert, der ebenfalls im Bollywood-Kosmos funktioniert, aber dennoch westliche Standards bei Dramaturgie und Umsetzung ansetzt. Das heisst, die üblichen übertrieben Kamerafahrten der Hindi-Blockbuster oder die nervtötenden Soundeffekte sucht man hier (zum Glück) vergebens. "Taare Zameen Par" baut vielmehr ganz auf seine Figuren und seine Geschichte und landete damit den finanziellen Überraschungserfolg 2007 mit dem fünftbesten Einspielergebnis des Jahres.

Auch wenn er es nicht gerne hört, aber Aamir Khan verdient dafür fast das ganze Lob. Als Regisseur zeigt er eine seltene Reife und Klasse, trotz Problemen wie Überlänge, Vorhersehbarkeit und sogar einem Haufen Klischees bleibt er von A bis Z seinem Konzept treu, führt sein Publikum an die Geschichte heran und entwickelt sie ebenso gefühlvoll wie nachvollziehbar weiter. Anspruchsvoll ist hier nichts wirklich - doch darin liegt der Coup: So kann Khan dem indischen Publikum ein vermeintlich trockenes Thema wie Leseschwäche (Dyslexie) näherbringen. Animierte Sequenzen, Musikstücke und einnehmende Figurenzeichnung helfen ihm dabei, seine Punkte ebenso verständlich wie unterhaltsam zu vermitteln.

Dabei zeigt er auch ein paar Schwächen. Der Film ist etwa schlicht zu lang. Nach 70 Minuten hat man als Zuschauer längst kapiert, dass Ishaan ein Aussenseiter ist, dass er Probleme hat und sich Missverstanden fühlt. Und doch muss man sich durch sechs recht monotone Lieder quälen, die in der ständig gleichen Montage-Technik inszeniert sind und das bereits Gesagte gleich nochmals wiederkäuen - zudem erlebt Ishaan im Internat nochmals genau dasselbe wie vorher an der Schule. Doppelt gemoppelt. Hier wäre eine Straffung dringend nötig gewesen, zwei Lieder hätten mühelos gekippt werden können. Auch wenn Ishaans Leseschwäche etabliert ist, kommt der Film eher zögerlich voran und verheddert sich in Klischees. Die Lehrer, die auf Disziplin setzen, werden zu Karikaturen degradiert und mit "Heil Hitler!" gegrüsst. Der herzensgute Kunstlehrer dagegen ist der erste, der die Dyslexie erkennt (ja sicher ...) und dann auch gleich noch ihre Heilung in Angriff nimmt. Ist das sonst nicht der Job von Logopäden und Sprachheilpädagogen?

Aber wir sind eben doch immer noch in Bollywood. Medizinisch wie sozialpädagogisch ist hier vieles vereinfacht und fast schon verniedlicht, irgendwo zwischen "Dead Poets Society" und "Patch Adams", böse gesagt. Aber dahinter steht eine gute Absicht. Und damit schliesst sich der Kreis wieder: Aamir Khan zeigt sich als Gutmensch und Humanist, seine gelassene Inszenierung passt wunderbar zum Inhalt und die Einheit von Story und Umsetzung erzeugt nahezu immer ein wohliges Gefühl. So sieht man über Stereotypen und Formelhaftigkeit hinweg. Aber das bereits verteilte Lob für Khan geht noch weiter: Auch als Schauspieler ist er toll. Er spielt locker und sympathisch, nicht seine beste Rolle, aber eine gute. Die wahre Grösse zeigt er darin, dass er seinem jungen Co-Star den Vortritt gewährt und sich selbst zurücknimmt. Er tritt sogar erst nach 72 Minuten auf und drängt sich nur ganz selten als Wunderlehrer zu sehr in den Vordergrund.
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Beitrag #79 - erstellt: 22. November 2008
U, Me Aur Hum (2008)



Für immer wir
Mit Ajay Devgan und Kajol
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
Der Psychiater Ajay (Ajay Devgan) verliebt sich auf einer Kreuzfahrt in die Kellnerin Piya (Kajol). Nach langen Flirts und Umgarnungsversuchen werden die beiden ein Paar und heiraten. Doch als das Glück für die beiden kaum grösser werden könnte und Piya auch noch schwanger wird, zerstört eine Nachricht die Idylle: Piya, die trotz ihres jungen Alters immer vergesslicher wurde, leidet an Alzheimer! Wie lange wird es dauern, bis sie die schönen Erinnerungen verliert?
REVIEW
Alzheimer ist tragisch für die Betroffenen selbst - aber mehr noch für das persönliche Umfeld: Menschen, denen die Erinnerungen langsam entfleuchen und die sich immer mehr zurückziehen in ihre eigene Welt, leiden sicherlich unter ihrer Bürde, vor allem in der Anfangsphase, wenn sie sich bewusst sind, was für eine Krankheit sie heimsucht und was ihnen bevorsteht. Später, wenn die Gedanken immer mehr verblassen, sind es hingegen die Angehörigen, die das ganze Leid schultern. Der Mensch, den sie kannten, löst sich vor ihren Augen langsam auf. Erinnerungen verflüchtigen sich. Liebe stirbt ab. Gegenseitige Vertrautheit schwindet. Daher gehört diese heimtückische Krankheit auch zum Traurigsten, was einem Menschen direkt oder indirekt zustossen kann.

Und darum gibt sie auch guten Filmstoff ab. Werke wie "Iris" oder "Away from Her" zeigen herzerwärmende Schicksale Betroffener. Etwas weniger geglückt ist die US-Schnulze "The Notebook", in der die Krankheit als Klammer für eine Liebesgeschichte dient. Ähnlich geht nun auch das Regiedebüt des Bollywood-Stars Ajay Devgan das Leid an. Der Titel: "U Me Aur Hum". Devgans Ehefrau Kajol spielt darin die betroffene Frau und man bangt tatsächlich mit ihr. Doch ich wurde das Gefühl nicht los, die Rollen seien verkehrt. Ajay ist nicht der beste Leider. Sein stets eine Spur zu stoisches Gesicht scheint nicht gemacht für grosse Emotionen, deswegen wirkt seine Reaktion auf die Schicksalsschläge oft wenig bewegend. Kajol hingegen, die Emotionen dieser Art besser transportieren könnte, wird durch die Film-Krankheit zurückgebunden und am Leiden oft gehindert. Verkehrte Welt.

Doch das ist nur ein kleines Problem: "U Me Aur Hum" hat deutlich gravierendere. Da ist erst einmal die missglückte Inszenierung. Devgan vertraut seinem durchaus vorhandenen Regie-Talent zu keiner Sekunde und peppt die Ereignisse unnütz auf - wodurch der Film beinahe ruiniert wird. Die ständigen Kameraspielereien und Jump Cuts sind ein Fluch und ruinieren alles Flair. Das ständige Geschneide demoliert beinahe jede aufkeimende Emotion. Anstatt eine Szene atmen und sich entwickeln zu lassen, cuttet Devgan an jeder nur möglichen und unmöglichen Stelle, wodurch ein Erzählfluss gar nie aufkommen kann und Gefühle zu Tode geschnitten werden. Das ist schlicht ein Unding. Es zerstört schauspielerische Leistung und schmälert den Wert des ganzen Films. Selten zuvor habe ich ein so unnütz hektisch geschnittenes Drama gesehen und selten zuvor schaffte es allein der Schnitt, einen Film derart abzuwerten.

Etwas besser, aber immer noch ein Negativposten, ist die Geschichte: Die Rahmenhandlung trieft vor Kitsch und Vorhersehbarkeit, die eigentliche Liebesgeschichte keimt nicht richtig auf und endet, bevor sie erblüht ist. Was danach kommt wirkt etwas schwerfällig. Die Thematisierung von Alzheimer ist mutig und obwohl Ajay einige medizinische Fehler begeht, nähert er sich dem Phänomen ziemlich realitätsnah - bis zum Ende, wenn die Konventionen des Bollywood-Mainstreamkinos ihn dazu zwingen, medizinisch unhaltbare Verkitschungen einzuführen. Die letzte Viertelstunde ist nicht mehr ernst zu nehmen. Schade für einen Film, der gerade in der Schlussphase, wenn die Krankheit ihren Tribut fordert, am meisten aufdrehen könnte. Bessere Filme schaffen das, "U Me Aur Hum" nicht.

Ehefrau Kajol, die nach Fanaa wieder fast zwei Jahre pausierte, agiert charmant wie immer und wird im Verlauf des Films immer hübscher. Typisch: je kränker desto attraktiver - das gibts nur in der Filmwelt. Schauspielerisch hat sie nicht so viel zu tun, doch sie tut es mit Charme und Bodenständigkeit. Eine saubere Leistung. Alle Nebendarsteller sind dagegen ausnahmslos unwichtig. Die könnte man alle wegschneiden und würde den überlangen Film dadurch etwas entschlacken.
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Beitrag #80 - erstellt: 13. Februar 2009
Tashan (2008)



Mit Saif Ali Khan, Akshay Kumar, Kareena Kapoor und Anil Kapoor
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Jeetender Kumar Makhwana alias Jimmy Cliff (Saif Ali Khan) unterrichtet Englisch für Angestellte in indischen Call Centers. Eines Tages fleht ihn die hübsche Pooja "Guddiya" Singh (Kareena Kapoor) an, ihrem Lebenspartner Englisch beizubringen: dem steinreichen Lakhan Singh urf Bhaiyyaji (Anil Kapoor). Jimmy sagt zu, aber nur, um in Guddiyas Nähe zu sein. Schon bald werden die beiden ein Paar und Guddiya überredet Jimmy, mit einem Koffer voller Geld, den sie von Bhaiyyaji klauen, durchzubrennen. Erst jetzt realisiert Jimmy, dass sein Schüler ein skrupelloser Gangsterboss ist - und Guddiya ihn übers Ohr gehauen hat: Sie ist mit dem Geld verduftet. Auch Jimmy muss untertauchen. Derweil heuert Bhaiyyaji den Schurken Bachchan Pandey (Akshay Kumar) an, um die beiden Flüchtigen aufzustöbern.
Review
"Tashan" ist Yashrahs Aag: Lärmig, dumm und völlig überproduziert. Der Sieg von Stil über Substanz. So fehlt es an Retro-Look, bis auf wenige Ausnahmen sind die Bilder auf modern getrimmt und ihnen fehlt es an Fleisch und Dreck. Alles wirkt, trotz draufgepapptem Staub, zu steril. Vor lauter Style kann darunter kein Charakter atmen, keine Story sich entwickeln, keine Szene sich entfalten. Stets nur bang, bang, bang.
Mindestens so schlimm wie das charakterlose und auf Werbeclip-Ästhetik getrimmte Design des Films ist seine Action. Da es sich um einen 70er-Jahre-Film im neuen Gewand handeln soll, hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Action altmodisch daherkommen würde. Die Seil-Stunts sind eine Farce, Leute fliegen einfach so in der Gegend herum, ihre Flugbahnen gleichen jener einer besoffenen Seemöwe. Kaum eine Bewegung in den Actionszenen wirkt realistisch und daher verkommt alles zum stilisierten Müll.
Vishal und Shekhar, die hier ihren ersten Soundtrack seit Om Shanti Om vorlegen, bringen kaum einen Song fertig, der im Ohr hängen bleibt. Und die Akteure hangeln sich auch nur halbbatzig durchs Prozedere. Anil Kapoor hat am wenigsten Szenen von den vier Stars und das ist gut so - obwohl er nicht übel spielt, doch sein falsches Englisch geht rasch auf den Wecker. Akshay Kumar ist nicht schlecht, ihm liegen solche Rollen. Doch jemand sollte ihm sagen, dass er vielleicht den ganzen Oberkörper bräunen sollte, wenn er ohne Shirt herumläuft.
Anders Kareena Kapoor. Sie hat sich in Form gehungert. Ein paar Filme zurück hatte ich das Gefühl, sie würde langsam zum Pummelchen, doch nun hat sie sich ins Gegenteil gekehrt und man ist versucht zu sagen "es reicht". Sie sieht beneidenswert schlank aus, doch weiter runter mit dem Gewicht sollte sie nicht. Kommt dazu, dass mit den Kilos auch viel von ihrem Sex Appeal verschwunden ist: Sie kann sich hier noch so lasziv bewegen und sich in noch so enge Kleidchen zwängen, in denen sie fraglos dufte aussieht - aber sexy will sie nur ganz selten herüberkommen. Dasselbe gilt für Saif Ali Khan. Er spielt lustlos, wirkt aufgedunsen und in einer solchen Over-the-top-Rolle fehlbesetzt. Zudem tut gerade so, als könne er nicht tanzen.

Alles ist freilich nicht verloren. So gefallen die Drehorte in Kerala, am Ganges oder in Rajastan - vor allem die Songsequenzen sind wahre Augenweiden. Auch das Erzähltempo hat seine Vorteile: Vor lauter Vorwärtsdrang wird es nur selten völlig langweilig. Und die Star-Power sorgt dafür, dass Bollywood-Fans immerhin etwas hibbeln können. Doch das ist freilich zu wenig, um den Film über das Mittelmass zu hieven. Regiedebütant Vijay Krishna Acharya, der sich zuvor als Drehbuchautor von Filmen wie Dhoom:2 "profiliert" hat, setzt damit die Reihe von Enttäuschungen fort, die das ehemalige Prestige-Studio Yashraj in letzter Zeit den Zuschauern vorsetzte. Statt in immer elaborierte Nonsens-Filme zu investieren, sollten Yash Chopras Mannen endlich mal wieder einen anständigen Drehbuchautor auftreiben.

Dabei wäre in dem Fall hier durchaus möglich gewesen, ein "Guilty Pleasure" zu zaubern, also ein Film im Stile von So-dumm-dass-er-wieder-gut-ist. Weniger Verkrampftheit, mehr Trash, etwas mehr Blut in den Actionsequenzen vielleicht. Dadurch, dass Kareena Kapoors Figur sich zur Rächerin entwickelt, entstehen kleine Parallelen zu Sam Raimis "The Quick and the Dead", der genau jenen Weg gewählt hat, den "Tashan" hätte einschlagen können: Gleichzeitig Hommage und Parodie des Genres sein, sich nicht zu ernst nehmen und mit den Stil-Elementen lustvoll spielen. "Tashan" ist jedoch zu keiner Sekunde lustvoll und das macht ihn zum mühsamen Unterfangen.

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Beitrag #81 - erstellt: 22. Februar 2009
Thoda Pyaar Thoda Magic (2008)


Ein Engel zum Verlieben
Mit Saif Ali Khan, Rani Mukherjee, Amisha Patel und Rishi Kapoor
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Da er als Kind am Internat gehänselt wurde, ist aus Ranveer Talwar (Saif Ali Khan) ein arroganter Egoist geworden. Als Unternehmer ist er ungemein erfolgreich, doch menschlich wird er nie eine Auszeichnung gewinnen. Selbst seine Freundin Malaika (Amisha Patel) hält er sich eher als Vorzeigepüppchen. Da fährt er mit seinem Luxuswagen in ein Auto und tötet die beiden Passagiere. Es war das Ehepaar Wallia, das vier Kinder hinterlässt! Richter Rai (Sharat Saxena) lässt keine Gnade walten und spricht ein ungewöhnliches Urteil: Ranveer wird dazu verdonnert, die vier Waisen bei sich aufzunehmen und ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen. Schafft er das nicht, wandert er für 20 Jahre in den Knast. Keine leichte Aufgabe, denn die Kinder Vashisht (Akshat Chopra), Iqbal (Rachit Sidana), Avantika (Ayushi Burman) und Aditi (Shriya Sharma) hassen ihn! Diese komplizierte Situation ist Gott (Rishi Kapoor) nicht entgangen. Er will helfen - und schickt seinen besten Engel auf Erden: Geeta (Rani Mukherjee). Als Kindermädchen versucht sie, den Talwar-Haushalt auf Vordermann zu bringen.
Review
Kunal Kohli macht es einem nicht leicht. Selbst wer Kitsch nicht abgeneigt ist, wird bei seinem neusten Streich eine Übersättigung erleben, denn der Filmemacher hält sich nie zurück und macht im Bestreben, einen süssen Kinderfilm zu drehen, manchen Fehler. Ich mag Kitsch, von pinken 70er-Jahre-Sets über OSO-Retro-Stil bis Kabhi Kushi Kabhie Gham-Tränendrücker. Das sind verschiedene Facetten von Kitsch, die ich alle gerne sehe. "Thoda Pyaar Thoda Magic" dagegen nimmt Kitsch, süsst ihn doppelt nach, dekoriert ihn mit rosa Blümchen und mischt noch ein paar Figürchen aus dem Computer drunter, damit auch ja der letzte Zuschauer ins Zuckerkoma fällt.
Noch halbwegs überzeugend ist die technische Seite des Ganzen - Schnitt und Kameraführung etwa, die wenig spektakulär, aber stets effizient eingesetzt sind. Der Film langweilt kaum je, da selbst in albernen oder schwachen Momenten etwas über die Leinwand huscht, was das Interesse wach hält. Dazu gehören mittelmässige Computertricks ebenso wie die bekannten Schauspieler. Im Zentrum des Interesses steht natürlich Rani Mukherjee, die als dauergrinsender Engel mit kiloweise Make-up leider einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Zwar ist die Schauspielerin an sich sympathisch, doch ihr fehlen hier sowohl Magie wie Witz. Auch Saif Ali Khan war schon überzeugender. Er trägt den halben Film hindurch denselben Gesichtsausdruck und spricht mit etwas gelangweilter Stimme. Die Kids dagegen sind ganz okay, ebenso Sharat Saxena als Richter und Rishi Kapoor als buchstäblich lieber Gott. Damit bleibt noch der potentielle Störenfried: Amisha Patel, Bollywoods untaugliche Leading Lady, die sich neuerdings nur noch Ameesha nennt. Hier wirkt sie als schrille Tussi ziemlich authentisch und zu nerven ist ja gerade ihre Aufgabe. Daher durchaus eine sinnige Besetzung. In "Lazy Lamhe" darf sie (für einen Kinderfilm) etwas gar erotisch auftreten, doch im grossen und ganzen ist Miss Patel ein Pluspunkt der Produktion. Das will was heissen.
Wenig tauglich auch die ganze Story: Die Ausgangsidee, dass vier Kinder beim Mörder der Eltern unterkommen müssen, ist kaum menschenrechtskonform. Wie sie danach in "Home Alone"-Manier den Adoptivpapa zur Weissglut bringen ist auch nicht der Brüller. Ständiges Umfallen und Kaputtmachen ist nur bis zu einem gewissen Punkt witzig. Und dann geht die ganze Aktion, die Kinder an ihren neuen Papa zu gewöhnen auch einfach etwas schnell.

All diese kleinen und grösseren Nörgeleien werden den meisten Kindern wenig ausmachen. Sie sehen die strahlende Rani, die flauschigen Wolken, das pinke Fahrrad. Sie hören die fröhlichen Songs, begutachten die Spässe der Kinder. Und alles ist gut. Doch zum einen lässt sich Kindern auch minderwertige Ware verkaufen, so lange sie schön bunt und süss ist. Und zum anderen ist ein wirklich guter Familienfilm einer, der nicht nur den Sprösslingen gefällt, sondern auch die Erwachsenen happy macht. Ich habe bei "Thoda Pyaar Thoda Magic" nie ein Werk auf Pixar-Niveau erwartet. Das habe ich gekriegt - vergraben unter Kitsch, Ideenlosigkeit und Unglaubwürdigkeit.
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Beitrag #82 - erstellt: 21. April 2009
Vivah-mein Herz bleibt Dir treu (2006)



Inhalt
Poonam (Amrita Rao) wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei Verwandten in Madhupur auf. Sie ist herzlich, fleißig, atemberaubend schön und erhält von ihrem Onkel Krishnakant (Alok Nath) viel Liebe und Unterstützung. Er ermöglicht ihr die Heirat in eine wohlhabende Familie. Schon bald trifft der angehende Bräutigam Prem (Shahid Kapoor) in Madhupur ein. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Prem und Poonam kommen sich behutsam näher und erleben eine schüchtern-zärtliche, verträumt romantische Liebesreise zweier Herzen. Doch vor der Hochzeit erleidet Poonam bei einem tragischen Brand starke Verbrennungen. Wird ihre Liebe diesen Schicksalsschlag überstehen?

Erscheinungsdatum:03.04.09

Kein Review vorhanden

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Beitrag #83 - erstellt: 21. April 2009
sholay (1975)



Inhalt
Im gesetzlosen Ödland um das Dorf Ramgarh treibt der gefürchtete Bandit Gabbar Singh (Amjad Khan) sein Unwesen. Polizist Thakur (Sanjeev Kumar) fasst den Schurken, der jedoch kurz darauf wieder entkommt. Kaltblütig und brutal rächt sich Gabbar an Thakur und seiner Familie. Der Polizist heuert die Kleinganoven Veeru (Dharmendra) und Jai (Amitabh Bachchan) an. Sie sollen das Dorf vor Gabbars Überfällen und Plünderungen beschützen und seine Bluttaten vergelten. Die beiden Revolverhelden versuchen bald alles, um dem belagerten Dorf zu helfen und die „sholay“ (Glut) der Rache, die in Thakur brennt, zu besänftigen.

Review

"Sholay" lief Jahre lang in vollen Kinos. Um die 300 Millionen Rupien spielte er ein und liegt damit auf Platz 12 der ewigen Bestenliste. Wenn man aber die Inflation verrechnet, wären das heute rund zwei Milliarden Rupien - und damit ist "Sholay" unangefochten der erfolgreichste indische Film aller Zeiten. Nicht nur das: Der Curry-Western prägte Bollywoods moderne Filmindustrie bis heute. Dabei ist er gar nicht sonderlich revolutionär: Er nimmt Inspiration von westlichen Spaghetti-Western (vor allem "Once Upon a Time in the West") und von Akira Kurosawas "The Seven Samurai" und steckt sie in ein Hindi-Kleid mit Songs und epischer Überlänge (204 Minuten).
Die Art, wie Regisseur Ramesh Sippy dies tut, ist jedoch gelungen. Neben dem Regisseur gebührt grosses Lob dem Kameramann, den exzellenten Schauspielern um Bachchan, Dharmendra, Amjad Khan und Hema Malini sowie dem Star-Komponisten R. D. Burman. Seine Morricone-angehauchten Klänge mischen sich immer wieder mit ur-Indischen Tönen und ergeben einen höchst interessanten Mix. Das absolute Highlight: der erste Song "Yeh Dosti".
Nachtrag: Das durch "Sholay" popularisierte "Seven Samurai"-Thema ist bis heute beliebt geblieben. Moderne Beispiele sind China Gate oder (noch eindeutiger) Keemat.
erstellt von Marko aus dem molo.
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Beitrag #84 - erstellt: 11. Mai 2009
Rab Ne Bana Di jodi

Erscheinungsdatum:15.05.2009



STORY
Surinder Sahni (Shahrukh Khan) ist ein einfacher Büroangestellter für den Energielieferanten "Punjab Power" in Amritsar. Sein Leben verläuft in geordneten, lieblosen Bahnen. Eines Tages besucht er seinen ehemaligen Professor, dessen Tochter Taani (Anushka Sharma) heiraten wird. Doch bevor der Bund der Ehe geschlossen werden kann, stirbt ihr Liebster bei einem Unfall. Der Vater erleidet einen Herzinfarkt und stirbt kurz darauf. Kurz vor seinem Ableben hat er Surinder und Taani überzeugt, dass sie heiraten sollen - auch wenn er etwa doppelt so alt ist wie sie. Von einem Eheleben kann daher auch lange Zeit keine Rede sein. Taani erklärt Surinder, der sich beim ersten Blick in sie verliebt hat, dass sie wohl nie Liebe für ihn empfinden wird. Um ihr Leben trotzdem etwas aufzupeppen, meldet sie sich bei einem Tanzkurs mit anschliessendem Wettbewerb an. Surinder geht ihr heimlich nach, um sie zu beobachten, und lässt sich daraufhin von seinem Kumpel Bobby (Vinay Pathak) komplett umstylen. Als trendiger Raj besucht er den Tanzkurs - und wird Tanzpartner der nichtsahnenden Taani.

REVIEW
Aditya Chopra hat sich in den letzten Jahren nicht nur mit Ruhm bekleckert. Der neue starke Mann des Traditionshauses Yashraj landete mit aufgebauschtem Lärm wie Dhoom:2 zwar Hits, doch die Liste der Flops wird länger und länger. Mit sinnlosem Krawall der Marke Tashan hat das Studio unter seine Ägide einen Tiefpunkt erreicht. Umso gespannter blickte die Filmwelt auf Chopras neue Eigenregie: "Rab Ne Bana Di Jodi" ist erst Adityas dritte Arbeit hinter der Kamera in dreizehn Jahren nach dem Allzeit-Blockbuster Dilwale Dulhania Le Jayenge und dem etwas weniger euphorisch aufgenommenen Mohabbatein. Die zögerlich lancierte Werbekampagne kündigte überraschenderweise an, dass es sich nicht um ein modernes Big-Budget-Werk handeln würde, sondern eher um Retro-Kino im kleinen Stil.

Das trifft den Kern nur halb. "Rab Ne Bana Di Jodi" beginnt tatsächlich unerwartet nüchtern mit Aufnahmen aus Amritsar. Der Goldene Tempel der Stadt ist zwar prunkvoll, doch wir sehen vor allem ganz normale Menschen. Ein solcher soll ja auch der Protagonist sein: Suri, wunderbar schüchtern und spiessig gespielt von Shahrukh Khan. Dass der Superstar sich mit biederem Schnurrbart, übergrossen Turnschuhen und Seitenscheitel zu einer solchen unglamourösen Rolle hingab, mag man nur loben. Als knuddelwerter Suri ist er denn auch das Highlight des ganzen Films. Doch eben nur des halben. Die andere Hälfte bestreitet sein Alter Ego Raj. Und da fangen die Probleme an - am besten, wir schaffen die gleich aus dem Weg.

Raj ist nämlich der übliche Overacting-Shahrukh. Aufgedonnert, laut und bunt, so wie er etwa in einigen Szenen in Kuch Kuch Hota Hai oder Om Shanti Om zu sehen war. Dies waren tolle Filme und auch "Rab Ne Bana Di Jodi" ist ein gelungenes Werk, doch wenn Shahrukh auf Teufel komm raus den Coolen und Hippen spielen muss, sich in enge Jeans stürzt, die Haare einschleimt und eine Sonnenbrille aufsetzt, dann wird das auf Dauer auch anstrengend. Vor allem, wenn es wie hier dann auch noch unglaubwürdig herüberkommt. Dass ein schüchterner und schwächlicher Simpel wie Suri im Handumdrehen zum eingebildeten Gockel mit grosser Klappe und dicken Muckis avancieren kann, der auch noch hemmungslos das Tanzbein schwingt, ist beim besten Willen nicht plausibel. Ebenso wenig, dass die vom Leben arg gezeichnete Taani sich in diesen Dödel verlieben soll. Man nimmt es hin, weil es die Dramaturgie so vorschreibt, doch hier spürt man die Scharniere des Drehbuchs quietschen.

review aus dem molo.(gekürzt) komplett nachzulesen bei http://www.molodezhnaja.ch/rabnebanadijodi.htm

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Beitrag #85 - erstellt: 11. Mai 2009
Dostana

erscheinungsdatum:22.05.2009



STORY
Der durchtrainierte Fotograf Kunal (John Abraham) und der als männliche Krankenschwester arbeitende Sameer (Abhishek Bachchan) leben in Miami. Sie treffen sich zum ersten Mal, als sie mit verschiedenen Frauen im Bett landen und im selben Haus aufwachen. Bald darauf haben sie es auf dieselben Wohnungen in einem Hochhaus abgesehen. Doch die wird nur an Frauen vermietet! Da hat Sam eine grandiose Idee: Die beiden Machos sollen sich als schwules Paar ausgeben, um die Wohnungen zu kriegen. Es funktioniert, nur mit einem gehörigen Haken: Mit ihnen auf der Etage wohnt die bildhübsche Vermieterin Neha (Priyanka Chopra). Während Sam und Kunal sich in sie verlieben und ihre Emotionen nicht zeigen dürfen, komplizieren Nehas schwuler Boss M (Boman Irani) und Sams Mutter (Kiron Kher) die Situation. Doch die Krönung ist Nehas neuer Boss, der elegante Abhimanyu Singh (Bobby Deol). Denn auch er hat ein Auge auf sie geworfen ...


REVIEW
Die Schwulenszene zwischen Shahrukh Khan und Saif Ali Khan in Kal Ho Naa Ho war ein Brüller für einen Grossteil des Publikums. So gut kam sie an, dass Karan Johar daraus gleich ein ganzes Projekt schmiedete. Wohl um den Gerüchten um seine eigene Homosexualität aus dem Weg zu gehen (was garantiert nicht gelingt), überliess er die Regie dafür seinem langjährigen Wegbegleiter Tarun Mansukhani, vormaliger Regieassistent bei High-Profile-Projekten wie Kabhi Alvida Naa Kehna, Paheli und Kuch Kuch Hota Hai. Tarun drehte wie sein Mentor in Amerika und inszenierte einen belanglosen, aber unterhaltsamen und weitgehend witzigen Film.

Zwei grosse Probleme plagen "Dostana" jedoch. Das eine ist der mutlose Umgang mit Homosexualität. "I Pronounce You Chuck and Larry" mit Adam Sandler mag wegen seiner plumpen Scherze der schwächere Film sein, doch er hatte den Mut, Homosexualität in verschiedenen Facetten anzupacken. Hier jedoch spürt man die Widerstände der Macher. Es gibt zwar einen Kuss zwischen Männern, aber der ist noch schlechter gefälscht als andere Kussszenen in Bollywood. Man bleibt auf Distanz, es dominiert der Ekel vor Gleichgeschlechtlichkeit. In einem Männerfilm à la Dosti haben die Kerle mehr Körperkontakt als hier. Damit kommen die Macher der konservativen indischen Mentalität entgegen, dem Film hilft es in keiner Weise. Auch nicht, dass Klischees aufgetischt werden wie etwa Abhis peinliches Tunten-Gehabe in der Venedig-Szene.

Das zweite Manko ist die Schlussphase. Im letzten Drittel des Films quietscht das Drehbuch, weil alles so konstruiert wirkt. Es geht darum, die Fäden zu verknüpfen und den Film proper aufzulösen, doch das geschieht mehr schlecht als Recht. Der Humor sackt ab, die Unterhaltungskurve mit ihm. Doch abgesehen davon gibt es viel zu mögen an dem oberflächlichen Spass, so etwa die Schauspieler. John Abraham hat sich richtig in Form trainiert und zeigt seinen Body öfters als Salman Khan in seinen besten Tagen. Er kann es sich leisten, keine Frage. Und wenn er das Shirt mal anbehält, spielt er ganz amüsant, wenn auch etwas gehemmt. Das gilt nicht für Abhishek Bachchan, der sich deutlich lockerer fühlt in dem Part.

Priyanka Chopra hat primär die Aufgabe, gut auszusehen, manchmal in penetrant mickriger Kleidung. Schauspielerisch kann sie sich hier nie entfalten. Ebenso wenig Bobby Deol, der immerhin halbwegs sympathisch herüberkommt. Von Kiron Kher in vollem Punjabi-Modus und Boman Irani in ausgelassener Homo-Laune kommt guter Support, Shilpa Shetty schaut knapp beschürzt für einen Item-Auftritt im ersten Song vorbei. Der legt auch gleich die Optik von "Dostana" fest: Beach-Atmosphäre, sonniges Wetter, blauer Himmel. Unbeschwerte Ferienatmosphäre in Amerikas Sunshine-State - inklusive dem Luxus von Miami Beach, bei dem man sich manchmal fragt, wie Krankenschwester Abhishek dies bezahlen soll. Die werden da wohl gut entlöhnt, im US-Gesundheitswesen

review gekürt. komplett nachzulesen im molo http://www.molodezhnaja.ch/dostana.htm

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Beitrag #86 - erstellt: 11. Mai 2009
Bachna Ae Haseeno

Erscheinungsdatum:12.05.2009



STORY
1996 macht der 18-jährige Angeber Raj Sharma (Ranbir Kapoor) eine Reise durch die Schweiz. Im Berner Oberland verguckt er sich in die junge Inderin Mahi (Minissha Lamba), die er unbedingt verführen will, um vor seinen Freunden anzugeben. Er gewinnt ihr Herz, obwohl sie eigentlich einem anderen Mann versprochen ist. Die Beziehung steht daher auf wackligen Beinen. Sechs Jahre später ist Raj ein Spiele-Entwickler und mit Radhika (Bipasha Basu) liiert. Sie liebt ihn abgöttisch und hofft, er möge sie heiraten. Doch der Druck lastet zu schwer auf Rajs Schultern. Bei der ersten Gelegenheit nimmt er Reissaus nach Sydney. Dort erspäht er ein paar Jahre später die Taxifahrerin Gayatri (Deepika Padukone). Wird sie vielleicht seine grosse Liebe?


REVIEW
Ah, die Schweiz. Lange mussten wir auf den Anblick der Alpennation in Bollywoodfilmen verzichten. Titlis, Gstaad und Co. waren aus der Mode gekommen - und sind es wohl immer noch. Doch Yash Chopra war schon immer ein treuer Freund der Eidgenossenschaft und kehrt nun für "Bachna Ae Haseeno" in die Alpen zurück. Das passt, denn im Gegensatz zu auf modern getrimmten Werken wie Dhoom:2 oder Tashan, die Yashraj zuletzt veröffentlichte, geht diese Liebeskomödie zurück zu den Wurzeln, und erzählt eine simple Liebesgeschichte auf sympathische Weise und eingebettet in tolle Location-Shootings.

Gedreht wurde in Gstaad, dem idyllischen Rougemont und kurz am Zürcher Flughafen. Daneben in Sydney, an der spektakulären "Twelce Apostles"-Küste Australiens, in Venedig, auf Capri, in Mumbai und im beschaulichen süditalienischen Alberobello mit seinen unverwechselbaren Trulli-Häuschen. Ich war schon mehrfach in dem Ort und ihn mal auf der Leinwand zu sehen, ist eine Freude. Doch "Bachna Ae Haseeno" ist nicht nur ein Reisefilm: Es wird tatsächlich eine brauchbare Geschichte erzählt. Mutig ist dabei, dass der Held lange Zeit gar keiner ist. Raj verhält sich wie ein Macho und man lernt ihn hassen. Es braucht dementsprechend lange, bis er sich Sympathien erarbeitet. Fast zu lange.

Wie er später von einer Ex zur anderen geht, um zu sühnen, erinnert vage an eine Episode in Heyy Babyy. Und die Konstellation des Films ruft Erinnerungen an den Dev Anand-Film Teen Devian wach. Doch geklaut ist hier nichts. Es ist manchmal beschämend, wenn im Internet Kritiker und Fans verzweifelt nach Werken suchen, die als Vorlage genommen werden sein sollen. "Definitely, Maybe" oder "John Tucker Must Die" werden herumgereicht. Haben die die überhaupt gesehen oder einfach kurz den Plot überflogen? Die Gemeinsamkeiten sind minimal. Aber Bollywood-Kritiker lieben es einfach, Drehbuchautoren in die Pfanne zu hauen. Ist der Film Mist, ist der Drehbuchautor schuld. Ist der Film toll kriegt der Regisseur das Lob. Arme Autoren. Ich hacke auch oft auf ihnen rum (Bollywoods Plagiats-Wut muss man anprangern) - doch in dem Fall handelt es sich um routinierte Arbeit.

Das Skript ist indes nur die halbe Miete. Regisseur Siddharth Anand, der für Yashraj bereits den putzigen Salaam Namaste und den schnell vergessenen Ta Ra Rum Pum inszenierte, kennt seinen Job und liefert einige beachtliche Bilder, gutes Timing sowie ein anschauliches Erzähltempo. Dazu liess er von Vishal-Shekhar (Om Shanti Om) einen eindrucksvollen Soundtrack komponieren. Die Lieder machen wirklich Freude, sind erfrischend abwechslungsreich und bleiben im Ohr. Grandios etwa der gelungene Remix des titelgebenden Klassikers "Bachna Ae Haseeno" aus Hum Kisise Kum Naheen, bei dem Rishi Kapoor die Hauptrolle spielte - der Papa des Hauptdarstellers.
review gekürzt.komplett nachzulesen im molo http://www.molodezhnaja.ch/bachnaaehaseeno.htm

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Beitrag #87 - erstellt: 11. Mai 2009
Billu Barber

Erscheinungsdatum:11.09.2009



STORY
Bilas Rao Pardesi alias Billu (Irfan Khan) lebt mit seiner Frau Bindiya (Lara Dutta) und zwei gemeinsamen Kindern in der kleinen Ortschaft Budbuda, in der er einen Friseursalon betreibt. Der Laden läuft schlecht, das Inventar fällt auseinander. Die Familie leidet unter dem kleinen Einkommen,hält sich aber wacker über Wasser. Da wird im Dorf ein grosser Bollywoodfilm gedreht. Hunderte von Filmleuten werden erwartet, unter ihnen auch der grösste Star des Landes, Sahir Khan (Shahrukh Khan). Eher beiläufig erwähnt Billu, dass er Sahir persönlich kenne. Das Thema wird zum Dorfgespräch Nummer eins. In der Hoffnung, mit dem Star reden zu können, sind plötzlich alle ganz nett mit Billu - vom Geldeintreiber (Om Puri) bis zur Rektorin (Rasika Joshi). Die Situation gerät ausser Kontrolle und Billu möchte sich nur noch verkriechen. Denn an Sahir ist kein Herankommen. Und im Dorf wird vermutet, Billu habe nur geblufft.

REVIEW
Ein kleiner Film, bescheiden in seinen Ambitionen, solide in seiner Ausführung und durchaus unterhaltsam in seiner Erzählweise. Das Erstaunlichste dabei ist, dass hinter der Kamera Regisseur Priyadarshan stand, der sich in Bollywood seinen Namen mit grässlichen Erfolgskomödien ruiniert hat. Hier gibt er sich zurückhaltender. Er verzichtet ganz auf Hysterie und gibt sich gottlob auch nur selten dem albernen Witz hin. Stattdessen liefert er viel zum Schmunzeln und das ist auch gut so, denn der Lach-Quotient passt sich dem Film an sich an. Alles eben etwas entspannter als aus Bollywood gewohnt - ja bisweilen fast zu entspannt. Man hätte gut und gerne noch ein paar Minuten aus dem Film herausschneiden und die überlangen Dialoge etwas straffen können. Vieles wirkt überflüssig, doppelt gemoppelt oder einfach zu ausführlich ausformuliert, damit auch der Hinterletzte kapiert, worauf die Macher hinauswollen.

Finanziert wurde die Komödie von Red Chillies, der Produktionsfirma von Superstar Shahrukh Khan und Ehefrau Gauri. Die sorgen denn auch dafür, dass King Khan ins beste Licht gerückt wird, wenn er sich sozusagen selbst spielt. Er heisst zwar Sahir Khan, doch er ist faktisch Shahrukh, was auch nie verhehlt wird, schliesslich hängen überall die Poster von Shahrukhs Hits und beim Song "Ae Aa O" werden sogar hemmungslos Szenen aus seinen Filmen eingespielt. Der Leinwand-Shahrukh ist der Inbegriff des Stars zum Anfassen, ein grundsympathischer Mann, geduldig mit seinen Fans und stets darauf aus, seinem Berufsstand alle Ehre zu machen. Leider ist diese Zeichnung auf Dauer extrem bemüht. Wenn er etwa referiert, dass auch Schauspieler nur Menschen seien und manchmal ihren Streit hätten, dann scheint er direkt in die Kamera zu sprechen und den Tratsch aus den Klatschmagazinen anzugreifen. "Billu Barber" verkommt zu Shahrukhs Sprachrohr und zur Plattform, um sich selbst zu feiern. Shahrukhs Wort zum Sonntag.

Mir persönlich gefallen solche Meta-Inszenierungen oftmals, doch hier ist es fast zu viel. Zumal Shahrukh sich in letzter Zeit öfter in Gastauftritten selbst gespielt hat und schon seine Grossproduktion Om Shanti Om das Star-Wesen zelebrierte. Er muss aufpassen, dass er sich nicht wiederholt, sondern wie etwa in Rab Ne Bana Di Jodi eine normale Rolle spielt, statt den Star zu mimen und ganz auf sein Image zu setzen. Er ist lieb in "Billu Barber", doch er schauspielert nicht gross. Ausser am Ende und da wirds etwas gar manipulativ - ich hab trotzdem geweint. Das liegt aber auch an Shahrukhs Co-Star Irfan Khan. Der hat sich dank Filmen wie The Namesake und Slumdog Millionaire nun auch im Westen Aufmerksamkeit erarbeitet und er gehört zweifellos zu Indiens talentiertesten Mimen. Hier verleiht er seiner Figur Realismus und Glaubwürdigkeit, er spielt zurückhaltend und doch sehr charmant. Eine gelungene Titelrolle.

Ähnliches gilt für Ex-Miss-Universe Lara Dutta, die sich abseits ihres Glamour-Images als Landfrau ganz gut macht. Dazu kommt Pryaidarshan-Stammpersonal vom soliden Om Puri über den anfangs nervigen Rajpal Yadav bis zum erstaunlich erträglichen Asrani. Nicht zu vergessen die drei Gastrollen von Bollywood-Königinnen: Shahrukhs OSO-Partnerin Deepika Padukone macht sich halb nackig für "Love Mera Hit Hit", die Don-Partnerinnen Priyanka Chopra und Kareena Kapoor geben sich verführerisch in "You Get Me Rocking" bzw. "Marjaani". Diese Lieder bilden einen starken Kontrast zum ländlichen Look des Films: Sie sind laut, farbenfroh und modern. Die Stücke an sich gehören nicht zu den erstklassigen Kompositionen, machen aber gute Laune. Die Choreografie wirkt eine Spur zu lustlos, es fehlt der letzte Tanz-Kick, den man sich von einer Grossproduktion wünschen würde.

review aus dem molo.(gekürzt)
http://www.molodezhnaja.ch/billubarber.htm

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Beitrag #88 - erstellt: 11. Mai 2009
Chandni Chowk to China

Erscheinungsdatum.12.06.2009


Kurzbeschreibung
Straßenkoch Sidhu aus Chandni Chowk, einem quirligen Basarviertel in Delhi, ist das Gemüseschneiden satt. Als zwei Chinesen in ihm die Reinkarnation des legendären Kriegshelden Liu Cheng erkennen, beginnt für Sidhu das größte Abenteuer seines Lebens: eine Reise von Chandni Chowk nach China. Dort erwartet ihn weit mehr als nur Ruhm und Ehre. Denn eigentlich soll er Gangsterboss Hojo zur Strecke bringen. Bewaffnet mit einem weisen Kung-Fu-Meister, dem Glauben an sich selbst und der Liebe der schönen Sakhi macht er sich auf, seine Bestimmung zu erfüllen.

es ist noch kein review vorhanden.

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Beitrag #89 - erstellt: 24. Juli 2012
Kaminey

Ungleiche Brüder

Cast: Shahid Kapoor,Priyanka Chopra und Amole Gupte

Release: 23.3.2012 REM
Link zum Bestellen

Mausam

Jahreszeiten der Liebe

Cast: Shahid Kapoor,Sonam Kapoor, Anupam Kher und Aditi Sharma

Zu kaufen gibt es die DVD 20.4.2012 REM
Link zum bestellen

Paheli

Paheli - Die Schöne und der Geist

Cast: Shahrukh Khan, Rani Mukherjee und Amitabh Bachchan

Release: 25.5.2012 REM
Link zum bestellen

Ra.One

Ra.One - Superheld mit Herz

Cast: Shahrukh Khan, Kareena Kapoor, Arjun Rampal, Armaan Verma, Shahana Goswami
Link zum bestellen 2 DVD
Link zum bestellen 1 DVD

Release: 1.6.2012 REM

Don 2

Don - The King Is Back

Cast: Shahrukh Khan, Priyanka Chopra, Boman Irani, Om Puri, Lara Dutta, Florian Lukas und Kunal Kapoor

Release: 24.8.2012 REM
Link zum bestellen 1 DVD
Link zum bestellen 2 DVD
Link zum bestellen Blu-Ray

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Beitrag #90 - erstellt: 31. Juli 2012
EK MAIN AUR EKK TU

HOCHZEIT MIT FOLGEN

Cast: Kareena Kapoor, Imran Khan, Boman Irani, Ratna Pathak Shah

Release: 20.07.2012 Al!ve AG
Link

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Beitrag #91 - erstellt: 23. Februar 2017
Dear zindagi

Cast:Shahrukh Khan,alia bhatt ,Kanal Kapoor

Film:
Produktinformationen Dies ist die Geschichte von Kaira, einer angehenden Kamerafrau, auf der Suche nach dem perfekten Leben. Eine zufällige Begegnung mit dem eigenwilligen Kopf Jug hilft Kaira, eine neue Perspektive auf das Leben zu gewinnen und zu entdecken, dass wahres Glück darin besteht, die Unvollkommenheit des Lebens anzunehmen.

Auf DVD ab dem 05.05.2017

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Beitrag #92 - erstellt: 24. Februar 2017
Raess

Gast:Shahrukh Khan ,Mahira Khan ,Nawazuddin Siddiqui

Handlung von Raees
Indien im Jahr 1980: Im Bundesstaat Gujarat sind Alkohol, Prostitution und illegale Drogen strengstens verboten. Raees Alam (Shah Rukh Khan) setzt sich über das Gesetz hinweg und ist einer der größten Schwarzmarkthändler dieser hedonistischen Güter. Aber Polizist ACP Ghulam Patel (Nawazuddin Siddiqui) ist ihm bereits dicht auf den Fersen. Raees gibt sein lukratives Geschäft jedoch nicht kampflos auf.

Auf DVD ab dem 04.08.2017

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